Drei Tage war Papst Franziskus in Armenien auf Friedensmission: Versöhnung der Kirchen, Versöhnung der Völker.
Ausgabe: 2016/26
28.06.2016
- Kathpress/Burkhard Jürgens
Es handelte sich, so der Vatikan, nur um die erste Etappe einer Reise, die im September in Aserbaidschan fortgesetzt werden soll. Wie angespannt die Nerven zwischen beiden Staaten sind, zeigten im April die Gefechte an der Grenze zu Berg-Karabach.
Armenisch-apostolische Kirche
Die religiöse Autorität des Papstes erstreckt sich in Armenien nur auf vielleicht 160.000 Gläubige, eine verschwindende Minderheit gegenüber der armenisch-apostolischen Kirche, die faktisch Staatskirche ist. Katholikos Karekin II. und Präsident Sersch Sargsjan ließen bei allen Ehren für ihren Gast keinen Zweifel daran, wer den Ton angibt. Sie beide begleiteten Franziskus während der drei Tage, unter anderem beim Gebet in der Kathedrale des Katholikos in Etschmiadzin; bei der Rede des Papstes im Präsidentenpalast und bei der Ehrung der Opfer der Armenier-Massaker am Mahnmal Tzitzernakaberd.
Genozid
Karekin II. und Sargsjan nutzten die Gelegenheiten, ihre Themen zu setzen: Gerechtigkeit, Anerkennung vergangenen Leidens. Acht Mal in zwei Grußworten und einer Rede sprach der Katholikos ausdrücklich vom „armenischen Genozid“. Als Franziskus, abweichend vom Redeskript, den Begriff einmal verwendete, applaudierten im Pressezentrum armenische Medienvertreter. Der Staatspräsident lobte Franziskus, dass er das Wort schon früher einmal in den Mund genommen hatte.
Verschiedene Sprachen?
Den eindringlichsten Versuch, die Fronten zu öffnen, unternahm Franziskus bei einem ökumenischen Gebet in Jerewan. Zuerst redete Karekin II. Er begann bei der Friedenshoffnung zu Beginn des Jahrtausends, um über aktuelle Gewalt und Vertreibungen bei den Erfahrungen des armenischen Volks zu landen: Genozid, Landverlust, anderthalb Millionen Märtyrer. Sein Land lebe in einem „nicht erklärten Krieg“, um „das Recht der Menschen in Berg-Karabach auf ein Leben in Freiheit“ zu schützen. Dann trat Franziskus ans Pult, sprach von Liebe, die die Erinnerung und alte Wunden heilen kann, und vom Mut, starre Überzeugungen aufzugeben. Karekin II. auf seinem Thronsitz hörte unbewegt zu, während Bildschirme zu den Seiten der Bühne die italienische Rede des Papstes auf Armenisch untertitelten, wie zuvor die armenischen Worte des Katholikos ins Englische übersetzt wurden. Für einen Moment wird augenfällig, dass die beiden vielleicht wirklich verschiedene Sprachen sprechen.
Wort gegen Wort
Vereinzelt gab es Beifall auf dem Platz, etwa als Franziskus Armenier und Türken zu Versöhnung aufrief oder zu Frieden in Berg-Karabach. Einmal verglich er die Leiden des armenischen Volks mit den Wunden Christi. Weiter kann auch kein Papst gehen. Selbst der größte Schmerz, sagt er, könne durch Liebe zur Quelle der Vergebung und des Friedens werden. Karekin II. sagt: „Es kann keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben.“ Gerechtigkeit gegen Vergebung. Wort gegen Wort.