Südtirols Kirche legt ihren Zukunfts-„Fahrplan“ vor
Die Diözese Bozen-Brixen präsentiert die Ergebnisse ihrer Diözesansynode in einem Buch mit interessanten Beschlüssen.
Ausgabe: 2016/28
12.07.2016
Was die Bischofssynode in Rom zu Ehe und Familie im Abschlussdokument nicht aufnahm, wurde in Bozen-Brixen berücksichtigt: Ein Schuldbekenntnis, dass man in der Vergangenheit unter anderem ledigen Müttern, außerehelichen Kindern, geschiedenen und homosexuellen Menschen hart und falsch begegnet ist. Wie die römische Synode beschäftigten sich die Delegierten in Südtirol mit den Themen Familie, Ehe oder Sexualität. In Bozen-Brixen standen aber auch sehr viele andere Punkte auf dem Programm.
Themen. Mit zwölf Themengruppen beschäftigte sich die 2013 gestartete und zwei Jahre dauernde diözesane Kirchenversammlung: Liturgie, Verkündigung, Glaubensvertiefung, Sakramente, Nächstenliebe, gesellschaftliche Fragen, Kirchenstruktur in Südtirol, Ehe und Familie, Kinder und Jugendliche, Berufung, Dialog mit anderen Religionen/Weltanschauungen und Überdiözesanes. Immer sollte es auch um die Gleichstellung von Mann und Frau, das Zusammenleben der Sprachgruppen (deutsch, italienisch, ladinisch) und der Generationen gehen. Statt eines Dialogprozesses wie in Deutschland haben die Südtiroler den verbindlichen Synodenweg gewählt.
Bei den überdiözesanen Themen gab es, wie Bischof Ivo Muser betont, zwar keine Tabuthemen. Allerdings halten die Texte in der abschließenden Dokumentation nur die Diskussion fest: Über sie wurde nicht abgestimmt und sie tragen auch nicht die Unterschrift des Bischofs. Dafür sollen die „Visionen“ in Rom bekanntgemacht werden. Dazu gehören die Möglichkeit für alle Gläubigen, alle sieben Sakramenten inklusive Weihe empfangen zu können oder die Spendung der Krankensalbung durch die Krankenseelsorger/innen, die nicht Priester sind.
Entschlüsse. Aber auch in den offiziellen Synodendokumenten gibt es – neben manchen weniger überraschenden Aussagen – Beschlüsse, die außerhalb Südtirols auf Interesse stoßen werden: zum Beispiel das Bekenntnis zum Erhalt von Pfarrgemeinden unter der Voraussetzung, dass sie lebendig und funktionsfähig sind; die Einrichtung eines Arbeitskreises „Homosexuellenpastoral“ oder ein Richtalter von 18 Jahren als Ideal für die Firmung. Neben anderen Punkten ist zum Beispiel auch auf das Anliegen einer heute verständlichen religiösen Sprache hinzuweisen – oder die Selbstverpflichtung, nicht nur mit andersgläubigen, sondern auch mit Atheisten den Dialog zu suchen.
Die Umsetzung der Synodenbeschlüsse beginnt jetzt schon auf den Ebenen der Diözesanstrukturen. Insgesamt hat sich die Diözese Bozen-Brixen aber darüber hinaus für die Zukunft viel vorgenommen. Heinz Niederleitner
- Die Synodendokumentation „Auf Dein Wort hin – mit Freude und Hoffnung“ erschien mehrsprachig im Athesia-Verlag.