„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.“ Mit diesen Worten spiegelt Jesus seiner Gastgeberin, was er wahrnimmt: eine Frau, die tut und rennt, die versorgt und bedient und die sich am Rande ihrer Kräfte über ihre untätige Schwester beklagt. Sie fordert Marias
Hilfe ein, will Gerechtigkeit für sich, einfach weniger Stress. Doch Jesus steigt ihr nicht ein auf ihr Gerechtigkeitsdenken. Er lobt sie auch nicht, obwohl er Nutznießer ihrer Fürsorge ist. Er schaut hinter ihre Geschäftigkeit und sieht eine Frau voller Sorgen und drückender Verantwortungsgefühle. „Aber nur eines ist notwendig“, erklärt er ihr: Lass los von deinen Sorgen und Mühen, vertrau darauf, dass es reicht, einfach da zu sein: anwesend bei deinem Gast, anteilnehmend, zuhörend. Du als Person bist mir wichtig, nicht deine Dienste. Lass dich nieder, setz dich, beruhige dich. Dann können wir einander näher kommen, dann wird dir Kraft zufließen, durch das, was ich zu sagen habe, durch unser Miteinander.
Diese jesuanische Burnout-Prophylaxe klingt einfach, ist aber schwer umzusetzen für alle, die wir meinen, es sei unsere Leistung, die unser Dasein rechtfertigt. Glauben zu können, dass wir selbst genügen, noch bevor wir etwas für andere tun, das haben viele von uns nicht gelernt. Wenn ich mich umschaue, entdecke ich mehr Marta-Typen als Maria-Typen, mich eingeschlossen. Woher aber den Glauben nehmen, dass es schon genügt, dass ich einfach nur da bin?
Vielleicht bräuchten wir alle wie Marta einen, der uns sagt: Komm, mach dir nicht so viele Sorgen und stress dich nicht. Setz dich her zu mir, du genügst mir wie du bist, du brauchst mir nichts zu beweisen.
Zum Weiterdenken
Welche Menschen in Ihrem Leben sind solche Entstresser, wie Jesus einer ist?
Was sagen Ihnen diese? Was bräuchten Sie,
damit Sie sich wie Maria einfach hinsetzen und gelassen da sein können, ohne ständig an nicht erledigte Pflichten zu denken?
Dr. Silvia Habringer-Hagleitner ist Religionspädagogin und leitet das Institut Ausbildung für Religionslehrer/innen an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Sie erreichen sie unter sonntag@koopredaktion.atWas könnte nicht alles anders werden, wenn einer käme und sagte: „Du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Setz dich her zu mir, Du als Person bist mir wichtig, nicht deine Dienste.“ Jesus gibt eine einfache Antwort – die dennoch ganz schwer zu leben ist.
1. Lesung
Genesis 18, 1–10a Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast. Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an, und backe Brotfladen! Er lief weiter zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete. Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen. Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben.
2. Lesung
Kolosser 1, 24–28 Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt. Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort Gottes in seiner Fülle verkündige, jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war. Jetzt wurde es seinen Heiligen offenbart; Gott wollte ihnen zeigen, wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist: Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden mit aller Weisheit, um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen.
Evangelium
Lukas 10, 38–42 Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.