Nach 35 Jahren muss die 250 Jahre alte Brucknerorgel im Alten Dom in Linz erneut restauriert werden. Dabei wird versucht, die Orgel möglichst nah an den Zustand zu Anton Bruckners Zeiten zurückzubringen.
Holzwurmbefall, Risse in den Windladen, Staubablagerungen in den Pfeifen – all das setzt dem historischen Instrument zu und verändert die Spieleigenschaften. Deshalb sei es jetzt, nach 35 Jahren, wieder an der Zeit für eine Generalsanierung, erklärt Domorganist Bernhard Prammer: „Bei Orgeln muss man in Generationen denken: Alle 30 bis 50 Jahre ist so eine Renovierung notwendig“.
Katalogisierung und Restaurierung
Im Zuge der Renovierung werden alle Pfeifen genau vermessen und katalogisiert. Dadurch erhofft man sich Aufschlüsse über die Baugeschichte der Orgel. Man weiß von vier großen „Bauetappen“, so ließ etwa Bruckner die Orgel, in seiner Zeit als Domorganist, nach seinen Vorstellungen umbauen. Über kleinere Änderungen wie das Tauschen einzelner Pfeifen ist dagegen weniger bekannt. Die Orgelbauer versuchen, die Orgel so zu restaurieren, dass sie sich wieder genau wie zu Bruckners Zeiten spielen lässt und auch so klingt. Dabei ist man auf Forschungsarbeiten angewiesen: Nach der Restaurierung 1980 bemerkten etwa einige Experten die schwergängige Mechanik der Orgel, in einem alten Zeitungsbericht allerdings wurde sie von Bruckner für ihre leichte Mechanik gelobt. Daher ist die Justierung der Mechanik eine Aufgabe für die Restauratoren.
Auf Bruckner zugeschnitten
Dass die Orgel auf Anton Bruckners Spielstil zugeschnitten ist, zeigt sich an einer Besonderheit: Bruckner legte Wert darauf, den Klang der Orgel an den neu aufkommenden Musikstil der Romantik anzupassen. Am barocken Spieltisch änderte er hingegen nichts, weshalb die Orgel einen geringeren Tonumfang als andere Orgeln mit romantischem Klang hat – eine Herausforderung für Organist/innen. Zur Zeit schweigt die Orgel, doch am 10. Oktober soll sie in einer großen Festmesse wieder geweiht werden, rechtzeitig für die ab November stattfindenden Orgelkonzerte sowie für die wöchentlichen Orgelmeditationen im Advent.
Konzerttipp: zu Bruckners Geburtstag am 4. 9. wird Bruckners 7. Symphonie in der Fassung für zwei Klaviere im Alten Dom zu hören sein, 20 Uhr: mit D. Sequi & G. Hofer