Ich bekenne mich seit gut einem Jahr zu den E-Bike-Fahrern. Zugegeben, meine Frau hat da ein bisschen nachgeholfen. Nachdem ich mich lange standhaft gewehrt hatte. Schließlich ist man(n) ja noch sportlich, auch mit 60+.
Ja, ich staunte schon manchmal, wie meine Frau so leicht und beschwingt dahinradelte, während ich kräftig in die Pedale steigen musste, um einigermaßen mithalten zu können. Und wenn wir nach einer Runde auf dem schönen Achtalweg zurück nach Hause kamen und sie so frisch wie beim Wegfahren und ich ziemlich verschwitzt aussah, dachte ich mir schon insgeheim manchmal: du könntest es dir auch leichter machen. Doch dann, spätestens vor Beginn der nächsten Ausfahrt, meldete sich wieder der Sportler in mir und ich wollt´s ihr zeigen, dass ich noch ganz gut mithalten kann.
Probefahrt mit dem E-Bike
Eines schönen Sommermorgens steht ein fast neues E-Bike vor meiner Garage. Meine Frau war zusammen mit meiner Enkelin beim Fahrradhändler gewesen. „Die haben grad letzte Woche neue Räder hereinbekommen. Du kannst dieses hier probefahren, hat Jakob gesagt.“ Aha, Testfahrer wollte ich immer schon mal sein. Allerdings hatte ich mir da eher einen Ferrari oder Porsche unter dem Hintern vorgestellt. Aber gut. Machen wir eine Testfahrt. Monika, Janina und ich auf dem Achtalweg. Sie beobachten mich aus den Augenwinkeln während der ganzen Fahrt. Zurück zuhause kommt natürlich die Frage: „Und? Wie hat´s dir gefallen?“ Ich bleibe cool: „Ja, ist ganz gut gelaufen.“ Innerlich bin ich zwar begeistert, aber wenn ich das gleich offen zeige, komme ich nicht mehr aus. Tatsächlich entdeckte ich, dass E-Biken Spaß macht. Ich kann locker dahinradeln, sozusagen auf Augenhöhe mit meiner Frau, brauche mich nicht sonderlich anzustrengen, bin aber trotzdem in Bewegung. Und ich hatte die Muße, auch die Natur rechts und links des Weges wahrzunehmen und zu genießen: die träge dahinfließende Ach in unterschiedlichen Farbschattierungen von blassgrün bis türkisblau, die verschiedensten Grünschattierungen der Bäume und Sträucher längs der Au. Also, am nächsten Tag kaufte ich mir das Rad. Ich würde es nicht mehr hergeben.
Mobilität und Spaß
Mit einem E-Bike können Sie Ihre Mobilität und ihren Aktionsradius erweitern. Es motiviert, sich öfter auf´s Rad zu schwingen, weil es Spaß macht. Studien haben ergeben, dass vor allem Männer häufiger mit dem Elektrorad zum Arbeitsplatz fahren. In der Stadt sind sie meist schneller als mit dem Auto, haben keine Parkprobleme und Kosten, kommen nicht verschwitzt sondern eher entspannt an. Und der Heimweg dient auch dazu, Stress abzubauen.
Radfahren ist gesundheitsfördernd
Laut WHO können schon 30 Minuten Radfahren pro Tag das Leben um acht gesunde Jahre verlängern. Dies gilt besonders für E-Bikes, da sie untrainierten Personen mit gesundheitlichen Problemen einfach und schonend ermöglichten, wieder Rad zu fahren. Durch die E-Motor-Unterstützung werden auch die Gelenke geschont. Das wird in meiner Generation 60+ besonders geschätzt.
Umweltfreundlich fortbewegen
Pedelecs verursachen geringe CO2-Emissionen, sind geräuscharm und verursachen keine Feinstaubemissionen. Mit 250 Wh (Wattstunden) kommt man 33 Kilometer weit, während die gleiche Energie gebraucht wird, um nur 10 Liter Wasser von Leitungswasser- auf Duschwasser-Temperatur zu erwärmen. Laut Wikipedia werden rund 60 Liter Wasser beim Duschen verbraucht, was energetisch 198 Kilometern Pedelec-Fahren entspricht. Allerdings, auf die Dusche danach würde ich trotzdem nicht verzichten!
Welches Elektrofahrrad passt für mich?
Ein klassisches Straßen-E-Bike wird wählen, wer überwiegend auf gut befestigten Wegen und Straßen bzw. in der Stadt fährt. Die Räder groß und die Reifen schmal, das gibt wenig Widerstand auf der Straße. Ein Mountain-E-Bike ist für jene geeignet, die gerne Tourenfahrten in der Natur und auf den Bergen unternehmen. Die Räder sind kleiner und die Reifen breiter, dadurch gibt es mehr Abrollwiderstand auf der geteerten Straße. Das sogenannte Pedelec, der Motor im Elektrofahrrad, verstärkt lediglich die Tritte des Fahrers in die Pedale. Das S-Pedelec ist kein Fahrrad mehr, sondern gilt als Kraftfahrzeug, vergleichbar mit einem 50-Kubik-Roller, mit Führerscheinpflicht (derzeit zumindest Mofa-Prüfbescheinigung) sowie Kennzeichen- und Versicherungspflicht. Das S-Pedelec verfügt über einen stärkeren Motor und erreicht Geschwindigkeiten von 45 km/h. Überlegen Sie gut und lassen Sie sich fachmännisch beraten, welche Art von Elektrofahrrad Ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Bedenken Sie auch eine gute Ausrüstung (Helm, Gepäckträger/Tasche usw.) eventuell einen Fahrkurs zu belegen. Die Umstellung auf ein E-Bike ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Eines ist sicher – und das war ein gutes Verkaufsargument meines Fahrradhändlers: E-Bike Fahren ist partnerschaftlich: Es können beide in gleichmäßigem Tempo und relativ entspannt fahren. Und genießen!