Ein Jesus, der Feuer auf die Erde bringt und Spaltung? Die Botschaft des Evangeliums ist imstande aufzurütteln und durchzuschütteln! Das Gute verlangt eine entschiedene Stellungnahme und ist deshalb häufig der Grund dafür, dass Menschen uneins sind.
Ausgabe: 2016/32, Sonntag, Wie brennendes Feuer, Wort zum Sonntag,
Der Titel des heutigen Evangeliumkommentars wird zunächst wahrscheinlich Erstaunen auslösen. Wer wagt es, in der heutigen Zeit, in der das Wort „Toleranz“ unantastbar in der Gesellschaft hochgehalten wird, das Wort „Entschiedenheit“ entgegenzuhalten? Ist dies nicht vermessen? Kann dies nicht ein gefährliches „Spiel“ werden? Diese Fragen sind rein oberflächlich betrachtet verständlich. Wer möchte Jesus und seine Botschaft nicht mit „tolerant“ beschreiben. Dies klingt doch in den Ohren des heutigen Menschen zeitgemäß. Und es läuft ja vieles in unserer Gesellschaft auf den Begriff „zeitgemäß“ hin. Jesus hat aber trotzdem so „entschieden“ formuliert, wie wir es lesen! Auch wenn wir einige Sätze des heutigen Evangeliums ob ihrer Eindeutigkeit am liebsten entschärfen oder streichen würden, weil sie nicht in unser Bild von Jesus passen, wäre dies grob fahrlässig. Was möchte uns Jesus mit seinen ernsten Worten sagen? Was soll seine Predigt bewirken? Das Evangelium ist nichts Niedliches, sondern „froher Ernst“. Wer das heutige Evangelium hört und zurückweist, der weist auch eine wichtige Botschaft Jesu zurück: Gerechtigkeit und Verantwortung sind gefordert. Beliebigkeit ist nämlich kein biblischer Begriff, sondern erst in den letzten Jahren besonders gesellschaftstauglich geworden! Daher weist Jesus in Frageform ein Missverständnis seines Kommens zurück: Der Friede – ein Hauptthema seiner Botschaft – tritt nicht sofort ein. Die Botschaft Jesu braucht nämlich eine klare Entscheidung. Und weil die Botschaft Jesu teilweise nur die Ohren, nicht aber die Herzen der Zuhörer erreicht und von diesen dann keine klare Entscheidung getroffen wird, bewirken Jesu Worte Spaltung. Wer das Wort Jesu aber über sein Ohr auch in sein Herz gelangen lässt, der wird dieses Wort abwägen und durch sein Leben eine entschiedene Antwort geben!
Zum Weiterdenken
Wie offen ist mein Herz für die Botschaft des Evangeliums? Haben die Worte Jesu eine Chance in mein Inneres zu gelangen? Gelingt es mir dann, entschieden zu handeln?
P. Thomas Lackner
20. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr C, 14. August 2016
1. Lesung
Jeremia 38, 4–6. 8– 10 Darauf sagten die Beamten zum König: Dieser Mann (Jeremia) muss mit dem Tod bestraft werden; denn er lähmt mit seinen Reden die Hände der Krieger, die in dieser Stadt noch übriggeblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes. Denn dieser Mensch sucht nicht Heil, sondern Unheil für dieses Volk. Der König Zidkija erwiderte: Nun, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch. Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Prinzen Malkija, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm, und Jeremia sank in den Schlamm. [...] verließ Ebed-Melech (ein Höfling) den Palast und sagte zum König: Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr. Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier drei Männer mit, und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt.
2. Lesung
Hebräer 12, 1–4 Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren. Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.
Evangelium
Lukas 12, 49–53 Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.