Nach jahrzehntelanger Säumigkeit wird derzeit die Kapelle in der Jerusalemer Grabeskirche restauriert, die an der Stelle des Grabes Christi steht. Ein aktueller Fund macht das Vorhaben besonders spannend.
Ausgabe: 2016/34, Grab Christi, Jerusalem, ädikula, leeres Grab, Christi
23.08.2016
- Heinz Niederleitner
Von Fremdenführern und Gläubigen wird sie gerne als Heiliges Grab bezeichnet. Tatsächlich ist die Ädikula mitten unter der Kuppel der Grabeskirche eher ein Überbau. Vom Grab selbst, in das Jesus nach seinem Kreuzestod gelegt wurde, war bisher nichts zu sehen. Doch weil bei der Renovierung, die sich bis Anfang 2017 ziehen wird, auch die Fundamente der Ädikula ausgebessert werden, besteht die Hoffnung, dort Überreste des Grabes oder zumindest frühchristliche Zeugnisse zu finden.
Sichtbarer Fels
Die Ädikula, die jetzt restauriert wird, stammt aus dem Jahr 1810. Sie ersetzt einen durch Brand zerstörten Vorgängerbau. Seit damals hat niemand gesehen, was unter diesem Überbau liegt. In den vergangenen Tagen ist nun hinter Verkleidungsplatten offenbar ein Felsen mit einer Höhe von 1,70 Metern zutage getreten. Das könnte bedeuten, dass von jenem Grab, in welches Jesus der Überlieferung nach gelegt wurde, mehr übrig ist, als bisher aufgrund der mehrmaligen Verwüstung der Kirche vermutet wurde. Der Fund wird nun untersucht.
Dass überhaupt renoviert wird, ist schon eine Sensation: Mehrere christliche Konfessionen stritten sich jahrhundertelang um jeden Quadratmeter der Kirche und das Recht, zu bestimmten Zeitpunkten Gottesdienste abhalten zu können. 1757 und 1853 mussten die muslimischen Osmanen eingreifen und einen Status quo festlegen, der im Wesentlichen bis heute gilt. Er hat dazu geführt, dass nach wie vor zwei muslimische Familien für das Auf- und Absperren der Kirche verantwortlich sind oder eine Leiter auf der Fassade mindestens 150 Jahre lang nicht weggeräumt wurde. Ganz zu schweigen von dem Problem, sich auf Renovierungen zu einigen.
Einigung in der Not
Deshalb muss man den israelischen Behörden fast dankbar sein, dass sie die Ädikula, die seit 1947 von einem Stahlgerüst zusammengehalten wird, 2015 für vier Stunden wegen Einsturzgefahr sperrten. Orthodoxe, Armenier und Katholiken einigten sich daraufhin im heurigen März auf die Renovierung durch griechische Experten. Zu den Finanziers gehört mit dem jordanischen König auch ein Muslim: Seine Familie regierte bis 1967 Ostjerusalem. Was nun aber immer bei der Restaurierung zutage tritt, eines ist jetzt schon sicher: Das Grab des Auferstandenen ist leer, wie es schon in der Bibel steht.