Eine Metallbox mit der Aufschrift „Emergency Flying Ration“, ein Maßband, Schächtelchen aus Karton, dazwischen Zwirne, Nähseide, verschiedene Nadelkissen. Mit dieser Nählade wird eine vergangene Zeit lebendig – und damit jene Menschen, die diese Jahre geprägt haben. „Meine Oma, die ich sehr gemocht habe, ist durch das Sammelsurium von Zwirnen, Nähseiden, Knöpfen, Garnen und Nadeln anwesend“, erzählt die Künstlerin Elisabeth Vera Rathenböck und ergänzt: „Jedes Mal, wenn mein Blick auf die Nählade fällt, bin ich froh, dass es sie gibt“. Die Nadeln stecken noch so in den Nadelkissen, wie sie die Großmutter einst hinterlassen hat. Als junge Frau erlebte ihre Großmutter den Zweiten Weltkrieg mit. Nähen war damals eine wichtige Fertigkeit, Kleidung kostbar. Mit Leidenschaft oder aus Notwendigkeit wurde geflickt und genäht, was irgendwie möglich war. Heute ist da und dort eine Entwicklung zu beobachten, die in eine ähnliche Richtung geht: In alternativen Nähwerkstätten treffen sich Menschen, um gemeinsam Kleider aus alten Stoffen zu entwerfen, zu nähen, zu flicken. Alte Techniken werden wieder belebt, Kleidung – von Hand gefertigt – erhält dadurch einen anderen Stellenwert. Und so manche Singer-Tretnähmaschine, die in Kellern und Stiegenhäusern herumsteht, kommt nun stromsparend zum Einsatz. Wie zu Großmutters Zeiten.