Papst Franziskus beginnt sein Apostolisches Schreiben mit den Worten „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche“ („Amoris Laetita“ – AL). Er lädt zur Besinnung über Liebe, Ehe und Familie ein.
Ausgabe: 2016/37
13.09.2016
- Reinhold Ettel SJ, Linz
Der Prozess während der beiden Bischofssynoden (2014 und 2015) und das Apostolische Schreiben zeigen eine erkennbare „Bodenhaftung“ (AL 6). Das Schreiben ist sehr umfangreich und bietet zahlreiche Impulse. Deshalb empfiehlt Papst Franziskus, es nicht hastig durchzulesen, sondern es Abschnitt für Abschnitt geduldig zu vertiefen (AL 7). Der Papst sieht mit Überzeugung die Ehe als eine Berufung. In klaren Worten möchte Papst Franziskus eine bürgerliche Verflachung des Ehesakramentes überwinden. Eine kirchliche Trauung und das Ehesakrament sind nicht ein gesellschaftlicher Brauch und kein leerer Ritus. Im Sakrament der Ehe begegnet Christus selbst den christlichen Ehepartnern (AL 72–73). Deshalb wird die Liebe in der Ehe als ein Hinweis auf die Liebe erkannt und gelebt, die Christus mit den Menschen und der Gemeinschaft seiner Kirche verbindet (AL 292 und 307). Das zentrale Kapitel im Schreiben ist – wie Papst Franziskus selbst es bezeichnet – das Kapitel über die Liebe. Aus dem bekannten Hymnus über das Charisma der Liebe (vgl. 1 Kor 13) erwägt Papst Franziskus einige Merkmale der wahren Liebe (AL 89 bis 119 – lesenswert!). Diese Liebe wird unvollkommen sein, aber sie wird gelebt und gepflegt mitten im Leben, das die Eheleute miteinander und mit ihren Kindern Tag für Tag teilen. Die eheliche Liebe sucht das Wohl des/der anderen; sie ist gegenseitig, zeigt Vertrautheit, Zärtlichkeit, Festigkeit. Die Liebe ersehnt sich eine lebendige Beziehung auf Dauer. „Wer verliebt ist, fasst nicht ins Auge, dass diese Beziehung nur für eine bestimmte Zeit bestehen könnte, und denkt nicht an etwas Vorübergehendes“. (AL 123 und 126).
Mit diesem Realismus der Liebe gilt es, junge Menschen und Ehepaare in der Pastoral zu ermutigen und zu begleiten, gerade auch in Phasen der Krise und des drohenden Scheiterns.