Es gab noch keine Erntemaschinen, die Knollen mussten von Hand geklaubt werden. Dabei war es egal, welches Wetter herrschte. Ob Sonne, Regen oder Wind, die Erdäpfel mussten so schnell wie möglich aus dem Boden in die Vorratskeller. Sie waren eine wichtige Nahrungsreserve für den kommenden Winter. Auch Schulkinder wurden zu dieser Arbeit verpflichtet und bekamen dafür schulfrei. Es waren die Kartoffelferien. Am Ende der Erntezeit bekamen die Helfer vom Bauern einen kleinen Lohn. Zu Beginn war die Kartoffel nicht sehr beliebt. Der Seefahrer Sir Francis Drake brachte die Kartoffel im 16. Jahrhundert von Südamerika das erste Mal nach Europa. Die Knolle sollte gut schmecken, aber den Umgang mit der Pflanze musste man erst noch richtig lernen. Zunächst war die Kartoffelpflanze aufgrund ihrer schönen Blüte sehr beliebt. Da ihre oberirdischen Pflanzenteile aber giftig sind, hatten die Menschen großen Respekt vor der neuen Pflanze. Kaiserin Maria Theresia führte die Kartoffel als Delikatesse am Hof von Schönbrunn ein. Die Mönche von Seitenstetten, Kremsmünster und St. Florian bauten in den Klostergärten Erdäpfel zunächst als Zierpflanze, dann für medizinische Zwecke an. Pater Johann Eberhart Jungblut kam 1761 als Pfarrer nach Prinzendorf an der Zaya. Gegen die herrschende Hungersnot brachte er Knollen aus seiner Heimat Luxemburg, die er hier anbaute. Seine Bemühungen brachten ihm den Namen „Erdäpfelpfarrer“ ein. Heute gibt es unzählige wunderbare Sorten und die Menschen verspeisen weltweit 33,7 kg Erdäpfel pro Jahr.