Am 17. Jänner spricht Irmtraud Fischer in Wien zum „Tag des Judentums“ der christlichen Kirchen. Das Land Steiermark verlieh der Grazer Alttestamentlerin und Uni-Vizerektorin den höchsten Forschungspreis. Ihre Leidenschaft gehört den biblischen Frauen.
Für sie als Wissenschafterin, die nach Auslandsjahren nach Graz zurückberufen wurde, bedeute der Landespreis, „wieder in der Heimat angekommen zu sein“, sagt Irmtraud Fischer. Sie sieht ihn auch als Anerkennung für die feministische Theologie und für die Grazer Theologische Fakultät, die bereits vor 14 Jahren einen Schwerpunkt Frauenforschung eingerichtet hat – „zu Zeiten, als dies noch sehr ungewöhnlich war“. In ihrem jüngsten Buch „Gotteslehrerinnen. Weise Frauen und Frau Weisheit im Alten Testament“ zeigt Fischer auf, dass Frauen schon in alttestamentlicher Zeit u. a. als weise Ratgeberinnen am Königshof anzutreffen waren. Dabei zeigt die Theologin, dass „weise Frauen ähnlich argumentieren wie weise Männer. Auch in ihrem Wissen um die Traditionen stehen sie ihren männlichen Kollegen nicht nach. Weisheit ist also relativ geschlechterneutral“, so die gebürtige Bad Ausseerin. Ihr neues Werk ist gleichzeitig der letzte Teil einer Trilogie, in der sie darlegt, dass „kein Teil des alttestamentlichen Kanons frauenfrei ist und Frauen in all den erzählten Geschichten eine zentrale Rolle spielen.“
Großprojekt. Derzeit arbeitet die Theologin an einem Großprojekt „Die Bibel und die Frauen“, das in vier Sprachen erarbeitet wird und in 21 Bänden erscheinen soll. „Über 200 Wissenschafter/innen weltweit werden daran beteiligt sein. Die ersten Forschungskolloquien sind in Gang. Der erste Band wird 2009 erscheinen“, berichtet Fischer.