Seit 100 Jahren gibt es zwischen dem 18. und 25. Jänner die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Sie geht auf eine Initiative anglikanischer Geistlicher zurück.
Im Jahr 1908 haben die beiden Geistlichen Spencer Jones von der anglikanischen Kirche Englands und Lewis Wattson von der amerikanischen Episkopalkirche zu einer Gebetswoche für die Aussöhnung der christlichen Kirchen eingeladen und dafür bewusst den Termin zwischen Petri Stuhlfeier (18. Jänner) und Pauli Bekehrung (25. Jänner) gewählt. „Damit sollte symbolisch die Vereinigung des Petrus von Rom und des Paulus von London bzw. Canterbury zum Ausdruck kommen“, erläutert der Salzburger Ökumeniker Josef Außermair. Obwohl die Päpste die Initiative von Anfang an unterstützen, blieb die Gebetsokatv im Jänner lange eine innerkatholische „Privatandacht“. Der Übertritt von Lewis Wattson zur katholischen Kirche hatte das Misstrauen der anglikanischen und anderer christlicher Gemeinschaften geweckt, es könnte sich hier um eine „Vereinnahmungsaktion“ handeln. Ängste, die bis heute nicht ganz ausgeräumt sind. So sah sich erst vor kurzem der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, veranlasst, einer „Rückkehr-Ökumene“, nach der alle anderen Christen in die katholische Kirche heimkehren müssten, eine Absage zu erteilen.
Dass sich die Gebetswoche vom 18. bis 25. Jänner in der Zwischenkriegszeit als gesamtchristliches Projekt schließlich doch durchgesetzt hat, sei vor allem dem französischen Ordensmann Paul Couturier zu verdanken, betont Außermair. Dieser habe als Seelsorger russischer Migranten die Orthodoxie kennen und schätzen gelernt. Anfang der 30er Jahre habe ihn ein Zitat von Kardinal Mecier stark beeindruckt: „Um sich zu vereinigen, muss man sich lieben; um sich zu lieben, muss man sich kennen; um sich kennen zu lernen, muss einer dem anderen entgegengehen.“ Darauf aufbauend versuchte Couturier der Weltgebetsoktav eine neue Deutung zu geben. Im gemeinsamen Gebet vereinigen sich die Kirchen bereits in Christus, in dessen Hand es liegt, wann und wie die sichtbare Einheit kommt.