2. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 20. Jänner 2008
Ausgabe: 2008/03, Sonntag, Reise, Sr. Marie Antoinette Feurstein, Johannes der Täufer, 2. Sonntag im Jahreskreis, Johannes, Korinther, Jesaja, Gregorschitz, Begegnung, Wort zum Sonntag
16.01.2008
Johannes der Täufer muss ein Mensch gewesen sein, der nicht am Äußeren hängen blieb, sondern einen tiefen Blick für das Verborgene hatte. So wird er Zeugen dafür, wie der Geist Gottes auf Jesus herabkommt und er als der Sohn Gottes offenbar wird. Der Blick auf Johannes könnte helfen eigene Begegnungen zu hinterfragen, ob es genug Zeit gibt um zu erspüren, wer einem gerade gegenübersteht.
Evangelium
Joh 1, 29–34
Am Tag darauf sah er (Johannes der Täufer) Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.
1. Lesung
Jes 49, 3. 5–6
Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will. [. . .] Jetzt aber hat der Herr gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammle. So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt, und mein Gott war meine Stärke. Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.
2. Lesung
1 Kor 1, 1–3
Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, an die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Reise zum anderen
Jeder Mensch ist wie ein fremdes Land. Du grüßt ihn, du nimmst seine Hand und gehst behutsam Schritt für Schritt den Weg aus deinen engen Grenzen. Du wirst beschenkt und du schenkst Weite, Freundschaft, Leben, Zukunft, auf der Reise zum anderen.
Werner Gregorschitz ofm
Wort zum Sonntag
Begegnung
Der Abend, wenn es um mich etwas ruhiger wird, ist für mich die Zeit, nochmals einen Blick auf den vergangenen Tag zu werfen. Da tauchen die verschiedensten Gesichter, Begegnungen, Gespräche, Erledigtes und noch Unerledigtes auf. Deshalb berührt mich die Begegnung Jesu mit Johannes, wie es im Evangelium geschildert wird. In Joh 1, 29 heißt es ganz schlicht und einfach „In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht das Lamm Gottes . . .“ Ob diese Begegnung am Beginn des öffentlichen Lebens Jesu am Jordan ein Zufall oder eine Fügung war, wissen wir nicht. Diese beiden waren sich sicher nicht ganz fremd. Es ist anzunehmen, dass sie schon als Kinder einige Zeit miteinander verbracht hatten. Mit zunehmendem Alter jedoch trennten sich ihre Wege. Johannes führte es in die Wüste, wo er sich dem Auftrag stellte zu predigen und dem Herrn den Weg zu bereiten. Jesus lebte bei seinen Eltern in Nazareth.
Am Jordan treffen sie aufeinander. Johannes erkennt Jesus sofort. Und er sieht in Jesus mehr, viel mehr als seinen Verwandten. Er sieht in ihm den, der er ist: den Erlöser, der die Sünde der Welt auf sich nimmt. Er spricht mit dem: „Seht, das Lamm Gottes . . .“ ganz klar den Auftrag Jesu an. Den damaligen Hörern ist dieser Begriff bekannt. Erinnert sie doch das Paschalamm an die Befreiung aus Ägypten und deutet somit auf Jesu Opfertod hin. Johannes muss ein Mensch gewesen sein, der nicht am Äußeren hängen blieb, sondern einen tiefen Blick für das Verborgene hatte. So wird er, der Wegbereiter, zum Zeugen dafür, wie der Geist Gottes auf Jesus herabkommt und er als der Sohn Gottes offenbar wird. Der Blick auf Johannes könnte mir helfen meine Begegnungen zu hinterfragen, ob ich mir genug Zeit nehme um zu erspüren, wer mir gerade gegenübersteht. In jeder Begegnung liegt eine Chance und vielleicht eine wichtige Botschaft.
Zum Weiterdenken
Wenn wir aufeinander zugehen und in jedem Gesicht unsere Schwester und unseren Bruder erkennen, dann ändert sich die Welt.
Sr. Marie Antoinette Feurstein
Die Barmherzige Schwester (Innsbruck) ist Pfarrkuratorin der Pfarre St. Franziskus in Hall-Schönegg.