Ausgabe: 2008/04, Kopf der Woche, Klaus Gabriel, Gerechtigkeit, Geld, Banker, Vermögensberater, Anlageberater, Finanzwelt, Studium
23.01.2008
- Hans Baumgartner
Als gelernter Banker und Vermögensberater kennt Klaus Gabriel die Welt des Geldes. Als Theologe hat er gelernt, die Spielregeln der Finanzmärkte mit anderen Augen zu sehen.
Wenn er über Geld spricht, dann besteht auch bei Bankern und Vermögensberatern kein Zweifel: der kennt sich aus. Gleichzeitig überrascht sie Klaus Gabriel und fordert sie zum Nachdenken heraus, denn als Theologe hat er gelernt, das Getriebe und die Strukturen der Finanzmärkte sehr präzise nach Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit hin zu durchleuchten. Als Kursleiter der Katholischen Sozialakademie (siehe auch Panoramaseite) versucht der Mitarbeiter am Institut für Sozialethik der Uni Wien sein Wissen an Investoren ebenso weiterzugeben wie an Bankleute und Anlage-berater. Eine Reihe von Orden berät er bei ihrer „ethischen“ Geldanlage.
Suche nach Gerechtigkeit. Nach seiner Schulausbildung in Schwaz in Tirol begann Klaus Gabriel bei einer Bank zu arbeiten. Nach vier Jahren übersiedelte er als Anlageberater der Bank nach Wien. „Mein Geschäft war es, reiche Leute noch reicher zu machen. Je mehr ich die Praktiken der internationalen Finanzmärkte und Börsen kennengelernt habe, desto unwohler habe ich mich gefühlt, dass das, was ich tue, mit meiner Auffassung von Gerechtigkeit nicht zusammenpasst“, erzählt Gabriel. Auf der Suche nach Antworten sei er schließlich bei der Theologie gelandet, weil „diese eine sehr strukturierte und tiefgehende Auseinandersetzung mit Gerechtigkeitsfragen bietet.“ Schon während seines Studiums stieß Gabriel auf das damals noch recht junge Feld der „ethischen Geldanlage“. Seit 2007 ist Gabriel auch Vorsitzender von CRIC, der größten Plattform für ethische Geldanlage im deutschsprachigen Raum.
Dr. Klaus Gabriel: „Nach zehn Jahren im Geldgeschäft wollte ich damit nichts mehr zu tun haben. Dann aber stellte ich fest, dass das eine große Chance ist, meine Kenntnisse der Finanzwelt mit dem Nachdenken über Gerechtigkeit zu verknüpfen und daraus Lösungen zu entwickeln.“