Ob die skandalöse Islam-Verunglimpfung von Susanne Winter der Grazer FPÖ etwas gebracht oder ihr geschadet hat, das ließ sogar Parteichef H. C. Strache offen. Sein Versuch, diesen Ausritt auch noch am Wahlabend mit den tatsächlich vorhandenen Problemen bei der Integration von Zuwande-rern zu erklären, wenn er auch die Wortwahl kritisierte, ist jedoch mindestens so skandalös. Denn damit tut Strache so, als ob vor allem „der Islam“ daran schuld sei, wenn es bei der Integration muslimischer Zuwanderer Probleme gibt. Er macht aus einer facettenreichen Problematik mit sozialen, kulturellen, ethnischen und religiösen Hintergründen eine Religionsfrage. Denn mit Parolen wie „Daham statt Islam“ lässt sich halt lauter tönen als mit dem Versuch, die Probleme geduldig und sachgerecht zu lösen.
Hans Baumgartner
Zukunft statt Erziehungs-Camps
Gewalttätige Übergriffe von Jugendlichen in Straßburg oder München; Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften in Berlin. Berichte über die wachsende Jugendkriminalität, ob in Frankreich, Deutschland oder auch in Österreich sind derzeit in aller Munde. Der Ruf nach „Erziehungs-Camps“ für jugendliche Straftäter, wie ihn u. a. die ÖVP erhebt, erregt die Gemüter. Zu Recht! Denn Jugendliche in Camps zu sperren kann wohl keine ernstzunehmende Lösung des Problems sein, wenn es an Zukunftsperspektiven fehlt, an Bildung und Jobs oder wenn bei Hilfestellungen und Orientierungsangeboten für junge Menschen mit Problemen sowie für deren Familien immer nur gespart wird.