3. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 27. Jänner 2008
Ausgabe: 2008/04, Kraft der Erinnerung, 3. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium, Lesung, Sr. Marie Antoniette Feurstein, Sehnsucht nach Licht, Bickel, Geh deinen Weg, Prophet Jesaja, Babylon, Segen
23.01.2008
In einer schier aussichtslosen Situation versucht der Prophet Jesaja den Menschen, die ins Exil nach Babylon verschleppt worden waren, Mut zu machen. Wie er das macht? Nicht mit rosigen Aussichten und leeren Versprechungen! Jesaja erinnert Israel an seine Geschichte, an seine Erfahrungen, die es bereits mit Gott gemacht hat. Einst hat Gott sie mit seiner Gnade und seinem Segen reich beschenkt, und er wird es wieder tun. Nur im Glauben an Gott festhalten, das muss der Mensch tun.
Evangelium
Mt 4, 12–23
Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. [. . .] Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
1. Lesung
Jes 8, 23b – 9, 3
Einst hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers.
2. Lesung
1 Kor 1, 10–13. 17
Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung. Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloe berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden? [. . .] Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.
In unseren Dunkelheiten
Dir und mir wünsche ich Augen, die die Lichter und Signale in unseren Dunkelheiten erkennen – und eine Sprache, die in ihrer Ehrlichkeit uns aus unserer Stummheit herausführt und uns aussprechen lässt, was uns gefangen hält.
aus „Geh deinen Weg“ von Margot Bickel
Wort zum Sonntag
Sehnsucht nach Licht
Viele Menschen sind froh, dass der Winter den Höhepunkt überschritten hat. Die langen Nächte sind vorbei und Lichtmess rückt näher. Früher gab es bei uns in der Winterzeit oft Arbeitslosigkeit und Hunger. Kein Wunder, dass mit dem zunehmenden Licht am Ende des Winters große Erleichterung verbunden war. Die Arbeit in der Landwirtschaft konnte begonnen, Vorräte wieder aufgefüllt werden. Im übertragenen Sinn erleben viele Menschen diese Sehnsucht auch im eigenen Leben. Wer nach langer Krankheit zum ersten Mal vor die Tür treten kann, weiß, welches Glück das bedeutet. Schon eine durchwachte Nacht lässt hoffen, dass das Licht des anbrechenden Tages von der Bedrängnis befreit. Dunkle Wegstrecken lassen sich bewältigen aus der Erfahrung heraus: Das Licht wird siegen! Ich muss nur lange genug ausharren.
Um dieses Ausharren ging es auch dem Propheten Jesaja. Jahrzehntelange Gefangenschaft in Babylon hatte das Volk mürbe gemacht. Er musste es stärken und ihm Hoffnung geben. Er tat es nicht mit rosigen Aussichten und leeren Versprechungen, sondern er erinnerte die Israeliten an den Glauben ihrer Väter. Einst hat Gott dieses Land begnadet, er wird es wieder tun. Seine Treue steht fest. Das Licht ist nicht auszulöschen, wie auch die Gegenwart Gottes inmitten des Volkes Israel. Es muss allerdings an Ihm festhalten. Die Kraft des Volkes ist der Glaube. Das hat sich in der Geschichte bewiesen, Jesaja erinnert an schon gemachte Erfahrungen. Diese Erfahrungen des Volkes Israel können auch uns etwas sagen. Durchhaltevermögen fällt nicht vom Himmel. Dazu brauche ich Hoffnung und eine Vision. Ich wünsche uns für die Zeit des zunehmenden Lichtes, dass es uns mit der Natur und mit lichtvollen menschlichen Erfahrungen gelingt, auch dunkle Abschnitte zu bestehen.
Zum Weiterdenken
„Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht. Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ – dieser Psalmvers könnte uns durch die nächsten Tage begleiten (Ps 23, 4). Sr. Marie Antoinette Feurstein, Die Barmherzige Schwester (Innsbruck) ist Pfarrkuratorin der Pfarre St. Franziskus in Hall-Schönegg.