Ausgabe: 2008/04, Auto, Autofasten, Mitterfayr, Bewegung, Göbesberger, Sauer, Arbeit, Auto
24.01.2008
- Ernst Gansinger
Autofahren ist teuer. Doch erst ein Teil des Preises ist mit der Tankrechnung bezahlt. Viel mehr noch haben die kommenden Generationen nachzuzahlen, wenn Rohstoffe verbraucht sind.
Es geht! Man kann sogar ohne Auto leben oder zumindest mit einer deutlichen Einschränkung des Autos auskommen. Die Fastenzeit wird zur Gelegenheit, es einmal zu probieren. Mit Partnern in der Wirtschaft und bei den Medien wird die Aktion bereits zum dritten Mal durchgeführt, mit deutlich gestiegenem Interesse in der Öffentlichkeit. Wer es in der Fastenzeit probiert, wird auch die „Hürden“ kennenlernen, auf die man im öffentlichen Verkehr stößt. Da braucht es noch Druck, damit der öffentliche Verkehr auch für jene zur realstischen Perspektive wird, die heute noch den Aufwand scheuen.
Wider die Auto- Automatik
„Der Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes ist der Individualverkehr. Da tut es den Leuten weh, wenn jemand sagt, dass da viel falsch läuft“, sagt Mag. Heinz Mittermayr, Referent der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung der Diözese Linz und konsequenter Radfahrer. Sein Radfahren kann nachdenklich machen, der Auto-Automatik zu widersagen.
Heinz Mittermayr fährt fast immer mit dem Rad zur Arbeit nach Linz. Er wohnt in Gallneukirchen.Wie er arbeiten in diözesanen Aufgaben etliche Pioniere der sanften Mobilität: Rolf Sauer, Leiter der Abteilung Ehe und Familie, ist einer von ihnen. Er fährt seit zehn Jahren fast täglich mit dem Rad zur Arbeit. Lucia Göbesberger, Referentin für Umweltfragen im Sozialreferat, kommt zur Arbeit aus dem Mostviertel mit dem Zug. Veronika Pernsteiner, Öffentlichkeitsbeauftragte im Katholischen Bildungswerk, fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Lacken zur Arbeit und geht das letzte Stück des Weges gerne zu Fuß. Elfriede Koblmüller, Betriebsratsvorsitzende von Pastorale Berufe, ist fast immer mit dem Rad unterwegs.
Freiheit durch Bewegung. „Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ist für mich eine Möglichkeit, stressfrei – etwa ohne Staus auf der B 127 – ins Büro zu kommen“, sagt Veronika Pernsteiner. Sie benützt dabei zwei verschiedene – Zug und Straßenbahn. Den letzten Kilometer geht sie gerne zu Fuß, obwohl sie da mit dem Bus fahren könnte. „Beim Gehen wird das Gehirn frei, und es kommen viele Gedanken und Überlegungen für den Tag“, sagt sie. Diese Freiheit betonen auch andere. Das Radfahren bedeutet für Heinz Mittermayr Lebensqualität: „Ich merke, wie sehr es mich neben der körperlichen Gesundheit seelisch frei macht. Wenn ich mich auf den Sattel setze, habe ich Zeit, mir Sachen durch den Kopf gehen zu lassen. Das ist Qualität!“ Lucia Göbesberger schätzt die Freiheit im Zug, mit dem sie etwa eine Stunde nach Linz braucht. Müsste sie mit dem Auto fahren, wäre ihr der Weg zu weit, sagt sie. „Beim Zugfahren kann ich alle möglichen Sachen machen – lesen, tratschen, schlafen, meinen Gedanken nachhängen.“ Außerdem bräuchte die Familie zwei Autos. Dieses Motiv bewusst nur ein Auto zu haben und es gezielt zu nutzen, etwa zu Freizeitaktivitäten oder wenn größere Transporte zu machen sind, spielt bei allen zurückhaltend Auto-Nutzenden eine große Rolle.
Das gute Gewissen. Beweggründe, lieber mit Öffis oder dem Rad zu fahren bzw. auch zu Fuß zu gehen, statt ein Auto-Vielfahrer zu sein, gibt es viele. Rolf Sauer nennt fünf: Er will etwas für seine Bewegung tun. Das Rad ist in der Stadt das schnellste Verkehrsmittel. Er schätzt die frische Luft, die es auch in der Stadt gibt. Seit er regelmäßig mit dem Rad fährt, ist er viel weniger anfällig für Erkältungskrankheiten. Und schließlich „hab ich auch noch ein gutes Gewissen.“ Auch Heinz Mittermayr sagt: Wenn er kritisiert, dass unsere Mobilität so sehr auf das Auto hingerichtet ist, muss er konsequent sein und ein Zeichen setzen, nicht ans Kultobjekt Auto gebunden zu sein.
Gehzeug, eine Aktion zum Mitmachen. In unseren Köpfen hat das Auto Platz gegriffen. Die Aktion „Gehzeug“ will dieses Platz-Greifen sichtbar machen. Und „Autofasten“ möchte Pfarren ermutigen, sich an der Aktion „Gehzeug“ zu beteiligen: Vier Meter dreißig mal ein Meter siebzig ist ein Gehzeug groß. Es sichert den zu Fuß gehenden Menschen genauso viel individuellen Freiraum wie das Auto seinen Benützern. Es klingt verrückt, ist es aber bei genauem Hinsehen nicht: Das Gehzeug will Bewusstheit erzeugen und unsere Wahrnehmung schärfen, wie viel Raum unsere Gesellschaft dem Auto einräumt und wie sehr die Fußgänger auf den Gehsteig, also an den Rand gedrängt sind.
Auto fahren
Österreichs Bevölkerung macht sich pro Jahr auf etwa 9 Milliarden Wege, mehr als die Hälfte davon meist mit dem eigenen Auto. Ein Drittel der Wege wird zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Für etwa jeden sechsten Weg benutzen die Österreicher/innen ein öffentliches Verkehrsmittel. Jede 10. Autofahrt ist kürzer als ein Kilometer. Wenn an den Sonntagen in Österreich etwa 800.000 Katholiken zur Messe kommen, sind ca. 300.000 Autos von und zu den Kirchen unterwegs. Sie verbrauchen zusammen 100.000 Liter Sprit, insgesamt werden 150.000 kg Kohlendioxid in die Luft geblasen. Die Lösung heißt aber nicht: einfach nicht in die Kirche zu gehen, sondern an Fahrgemeinschaften zu denken oder den Kirchgang – zumindest manchmal - bewusst zu pflegen.
Auto fasten
Die Umweltbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche rufen auf, in der Fastenzeit vom Aschermittwoch, 6. Februar, bis Karsamstag, 22. März, nach Möglichkeit Auto zu fasten. Autofasten kann genützt werden, um die eigene Mobilität zu überprüfen, andere Fortbewegungsmittel neu zu entdecken, für die eigene Fitness etwas zu tun und neue Sinneseindrücke zu gewinnen.Die Aktion „Autofasten“ unterstützt alle Autofastenden mit einem wöchentlichen elektronischen Newsletter, der aktuelle Informationen zu Mobilität und Klimaschutz enthält. Darüberhinaus gibt es ein Aktionsheft für eine sanftere Mobilität sowie eine kostenlose VCÖ-Nichtmotorisierten-Versicherung für das Jahr 2008 im Wert von 60 Euro. Und man kann eine von 40 ermäßigten Jahreskarten des Oö. Verkehrsverbundes gewinnen – wenn man sich bis 18. Februar anmeldet. - Info und anmelden: Autofasten, Sozialreferat, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/76 10-32 51, www.autofasten.at