Die Dosis macht die Wirkung! Dass das für Medikamente gilt, ist einleuchtend. Dass Ärztinnen und Ärzte aber auch bei Informationen überlegen, wie viel der Patient verträgt, irritiert beim ersten Hinhören.
„Wahrheit ist ein wenig wie ein Medikament“, meint Dr. Rainer Schöfl. „Ein Zuviel vergiftet, ungenügende Dosierung lässt das Vertrauen in den Therapeuten schwinden.“ Schöfl leitet die Abteilung für Innere Medizin 4 im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz. Er weiß aus seinem Berufsalltag, was es heißt, Überbringer schlechter Nachrichten zu sein.
Wahrheit für die Würde. Die Zeiten, in denen Patienten nicht erfahren haben, dassihre Krankheit mit dem Tod enden wird, sind vorbei. Die Menschen möchten wissen, was sie erwartet. Das sieht auch der Patient/innen- und Pflegeanwalt Gerald Bachinger so. „Man muss volle Information in allen Lebenslagen pflegen“, sagt er. „Sonst nimmt man denPatienten die Chance, in allen Lebenslageneigenständig zu leben. Die Wahrheit hängt immer mit der Würde zusammen.“
Gefahr durch Information. Es gibt aber auch Ausnahmefälle, in denen es besser ist, nicht alles zu sagen. Wenn Ärzte befürchten müssen, dass der Patient oder die Patientin aufgrund einer Diagnose zum Beispiel Suizid begehen könnte, werden sie die volle Wahrheit verschweigen. Rainer Schöfl hat selbst erlebt, dass sich ein 71-Jähriger das Leben genommen hat, obwohl seine bösartige Krankheit heilbar gewesen wäre.
Weniger ist manchmal genug. Für Rainer Schöfl ist das sehr situationsbedingt, wie viel Information jemand verträgt. „Ich habe oft mit Patienten zu tun, die alt oder schon von Krankheit gezeichnet sind. Da weiß man, dass die Information passt und genügt.“ Patienten sollen ruhig nachfragen. „Das macht die Arbeit sicher einfacher für mich“, meint er. Er ist sich sicher, dass ein Patient alles Nötige weiß, wenn er aktiv nachfragt.