Seit 30 Jahren fährt der Forstwirt Paul Krassay nach Lourdes, viele Jahre davon als Brancardier, als Krankenträger. Er verbindet damit beeindruckende Erlebnisse und berührende Begegnungen.
Der südfranzösische Wallfahrtsort Lourdes feiert heuer das 150-Jahr-Jubiläum der Marienerscheinungen. Auf die Frage, ob deshalb die kommende Pilgerreise für ihn etwas Besonderes ist, meint Paul Krassay: „In Lourdes werden heuer vermutlich mehr Leute sein als üblich und es wird auch zusätzliche Angebote für Pilger/innen geben. Aber für mich ist jede Wallfahrt nach Lourdes etwas Außergewöhnliches, weil ich dabei immer wieder Menschen begegne, die mich beeindrucken und bereichern. Besonders gilt das für die Kranken und Behinderten bei unserer Wallfahrt im Frühjahr“, meint der Generalsekretär des Marianischen Lourdeskomitees (MLK).
Beziehungen. Zum ersten Mal ist Krassay 1977 als Brancardier, als Krankenträger, mitgefahren. Ein Freund habe ihn angesprochen und ihm von dem „besonderen Erlebnis“ erzählt. „Ich dachte mir, wenn der schon so begeistert ist, kann ich es ja einmal probieren.“ Und weil sein Freund recht hatte, wurde die Lourdes-Wallfahrt des MLK, bei der Gesunde, Kranke und Behinderte sich gemeinsam auf den Weg machen, zum jährlichen Fixpunkt im Kalender von Paul Krassay. Bis 1990 begleitete er die Pilger als Krankenträger und seither als ehrenamtlicher Generalsekretär des MLK. „Wenn man mit den Kranken und Behinderten den ganzen Tag zusammen ist, sie trägt, schiebt, wickelt und wäscht, da entsteht eine sehr tiefe Beziehung. Dabei erlebt man hautnah, wie Menschen mit Querschnittlähmung, mit Muskelschwund oder MS-Erkrankung ihr Schicksal ertragen, mit welcher Kraft sie auch leben und glauben und wie viele trotz allem ihre Lebensfreude und ihren Humor nicht verlieren.“ Er, so Krassay, bekomme bei jeder Reise mehr zurück, als er geben könne. „Im vergangenen Jahr haben uns einige junge Soldaten, die mit der Militärwallfahrt zur gleichen Zeit in Lourdes waren, bei der Betreuung der Behinderten und Kranken geholfen. Als ich einen Präsenzdiener fragte, was ihm in Lourdes am meisten gefallen hat, sagte er: Das Schieben der Kranken“, erzählt Krassay.
Eine Tankstelle. Den Behinderten und Kranken selber gibt die Wallfahrt die Möglichkeit, aus ihrem Alltag herauszukommen, sie stehen im Mittelpunkt und erleben Wertschätzung und Zuneigung. „Und wenn“, so Krassay, „beim einen oder der anderen auch ein Funken Hoffnung auf ein Wunder mitspielt, ein Stück Heilung erfahren wohl die allermeisten. Lourdes ist für sie so etwas wie eine menschliche und religiöse Tankstelle, um das tägliche Leben zu bewältigen.“
Zur Sache
Bernadette und die „weiße Frau“
Am 11. Februar 1858 erschien der 14-jährigen Bernadette Soubirous in der Grotte von Massabielle nahe von Lourdes beim Holzsuchen eine weiß gekleidete Frau. Beim 16. Zusammentreffen, am 15. März, sagte diese auf die Frage nach ihrem Namen „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“. Insgesamt hatte Bernadette vom 11. Februar bis 16. Juli 18 Begegnungen mit der „weißen Frau“.
1862 erklärt Bischof Laurence von Tarbes die Erscheinungen für echt. Die Wallfahrten beginnen. 1885 tritt Bernadette bei den Barmherzigen Schwestern ein. Ihre Oberin lehnt die Visionen von Lourdes ab und widersetzt sich nach dem Tod von Bernadette 1879 jeder Verehrung. Am 8. Dezember 1933 wird Bernadette Soubirous heiliggesprochen. Ihr Festtag ist der 16. April. Papst Johannes Paul II. erklärte den 11. Februar zum „Welttag der Kranken“. Sie haben in Lourdes Vorrang und stehen im Mittelpunkt.
Von Österreich aus organisiert das Marianische Lourdeskomitee (und seine Vorläufer) seit 1908 regelmäßig Pilgerfahrten. Heuer finden diese vom 25. bis 30. April und vom 17. bis 22. Juli statt. Beim Frühjahrsturnus fahren seit vielen Jahren rund 60 bis 70 Kranke und Behinderte mit, die von rund 30 ehrenamtlichen Betreuer/innen unterstützt werden.