Mit diesem Aufruf endete das Podiumsgespräch über Österreichs Museumslandschaft im Bildungshaus Puchberg in Wels. Die Rolle des Publikums als entscheidendem Partner und Geldgeber (Steuerzahler) strichen die Museumsexpert/innen besonders hervor.
Peter Baum, der ehemalige Direktor des Kunstmuseums Lentos in Linz, begrüßt am Sonntag, 27. Jänner an die 30 Interessierte im Publikum und drei Museumsexperten am Podium: Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere in Wien, Carl Aigner, Direktor des Nö. Landesmuseums, und Dieter Bogner, Kurator, Sammler und Kunstexperte. „Der entscheidende Partner ist das Publikum“, erklärt Baum anfangs und weist darauf hin, dass kein anderes kulturelles Gebiet mit derartigen Wachstumsraten aufwarten könne wie die Museumslandschaft.
Schielen nach Quoten. Wachstumsraten, das Schielen nach Quoten und Besucher-Zahlen prägen zunehmend die öffentliche Diskussion. Doch Besucherstatistiken alleine sagen noch nichts über die Qualität eines Hauses aus. Besucherströme sollten immer in Relation zum Standort und den Anforderungen vor Ort gesehen werden, meint Dieter Bogner.
Jeder macht, was er will. Wichtig sei zu klären, welchen Auftrag ein Museum habe. In den letzten zehn Jahren stellte er diesbezüglich „eine totale Verwahrlosung“ fest. „Jeder Direktor machte, was er wollte – ohne Absprachen mit anderen“, erzählt der Kunstexperte. Er begleitet nun im Auftrag des Bundesministeriums für Kunst eine Gruppe von Museumsverantwortlichen, die bislang nicht miteinander im Gespräch waren. Dies erklärt heuer auch manche Programmüberschneidungen, die letztlich das Publikum „auszubaden“ hat. Aktuelles Beispiel: zwei Kokoschka-Ausstellungen in Wien, eine in Linz – da bleibt anderes auf der Strecke.
Kulturelle Nahversorger. Bogner hält zudem die „kulturelle Nahversorgung der Bevölkerung“ für die zentrale Aufgabe von Museen in öffentlicher Hand. „Jeder Besuch, der aus dem Umfeld kommt, ist mir doppelt so wichtig wie ein Tourist, der zufällig vorbeikommt“, so Bogner.
Fehlende Ankauf-Budgets. Aufgabe der Museen ist es, Kunst zu sammeln, zu bewahren und zu vermitteln. „Wer heute junge Kunst kauft, hat den Schiele von morgen“, ist Baum überzeugt. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sei das Dilemma der geringen Ankauf-Budgets für Museen in öffentlicher Hand. Dies habe zur Folge, dass wichtige Werke – auch österreichischer Künstler/innen – im Ausland bzw. bei privaten Sammlern landen. Diesbezüglich stellt Agnes Husslein-Arco auch große Defizite im Belvedere fest: „Es fehlen ganze Epochen – und das, obwohl wir den Auftrag haben, österreichische Kunst im internationalen Kontext zu zeigen!“ Den Staat und die Politik gelte es daher mehr in die Pflicht zu nehmen. Carl Aigner, Direktor des Nö. Landesmuseums, appelliert nach fast drei Stunden Podiumsgespräch an die Zuhörer/innen, bei den verantwortlichen Politikern brieflich Stimmung für Kunst und Kultur zu machen – und das wöchentlich!