Klimawandel und Ölkrise führen zu einer weltweit steigenden Nachfrage nach Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Damit das nicht zu Lasten der Armen geht, braucht es neue Marktregelungen.
Die derzeitige Produktion von Biotreibstoffen gehe oft zu Lasten der armen Bevölkerung in den Ländern des Südens. Deshalb sei es notwendig, ökologisch und sozial verträgliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Energieproduktion nicht zum Raubbau an der Natur und zur Verdrängung der Nahrungsmittelerzeugung führt. Das betonte Bischof Ludwig Schwarz als Vorsitzender der Koordinierungsstelle für Entwicklung und Mission. Gemeinsam mit weiteren Entwicklungsorganisationen, dem Ökosozialen Forum und bäuerlichen Interessenvertretungen stellte er vergangenen Freitag ein Positionspapier zur nachhaltigen Produktion von Bioenergie vor.
Risiken sehen. Die wichtigste Maßnahme für eine aktive Klimapolitik sei, so das Positionspapier, das Energiesparen. Als primäre Aufgabe der Landwirtschaft wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln hervorgehoben. Angesichts von 850 Millionen Menschen, die an Hunger leiden, müsse man die wachsende Erzeugung von Energiepflanzen in Entwicklungsländern sehr kritisch sehen. So etwa führe deren verstärkter Anbau schon jetzt zu massiven Umweltschäden und zur Verdrängung von Kleinbauern und indigenen Völkern durch Agrarkonzerne. Würde, so wie das US-amerikanische Pläne vorsehen, die Produktion von Biotreibstoffen noch weiter massiv angekurbelt, würde das auch zur Knappheit und zu sozial unverträglichen Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln führen, betonte Franz Fischler vom Ökosozialen Forum. Eine auf lokale Märkte und auf nachhaltige Produktion abgestimmte Erzeugung von Biotreibstoffen könne aber auch eine Chance für die bäuerliche Landwirtschaft sein. Als Beispiele werden kleine Destillerien in Brasilien oder Afrika genannt oder die Verwertung der Überschussproduktion an Getreide und Zu-ckerrüben in Europa. Eindringlich fordert das Positionspapier eine internationale Handels- und Förderungspolitik, die an soziale und ökologische Mindeststandards gebunden ist.