Faschingstage und Bergpredigt haben etwas gemeinsam! Narren (und Kindern) gesteht man zu, dass sie die Wahrheit sagen, dass sie laut heraussagen,was sie sich denken und dabei schon mal die Ordnung der Welt auf den Kopf stellen. In der Bergpredigt stellt Jesus die Werte der Menschen auch auf den Kopf: Teilen ist wichtiger als Haben, Friedfertigkeit, Barmherzigkeit und ein reines Herz sind Ideale, die Sehnsucht nach Gerechtigkeit sind bitter wie Hunger und Durst und stacheln an zum Handeln.
Evangelium
Mt 5, 1–12a
Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
1. Lesung
Zef 2, 3; 3, 12–13
Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des Herrn lebt. Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut! Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zornes des Herrn. [. . .] Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn. Der Rest von Israel wird kein Unrecht mehr tun und wird nicht mehr lügen, in ihrem Mund findet man kein unwahres Wort mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide, und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.
2. Lesung
1 Kor 1, 26–31
Seht doch auf eure Berufung! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.
Die Herzen müssen arm werden
Die Herzen der Menschen müssen arm werden. Arm an Ichsucht, Geiz, Neid, Habsucht, Stolz und Wichtigtuerei. Wer in diesem Sinne arm ist, der schafft in seinem Herzen Platz für Liebe, Demut, Geduld, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft.
Manfred Göbel
Wort zum Sonntag
Glückselig die Armen?
„Glückselig die Armen.“ – Eine so provokante Parole am Faschingssonntag ist für uns nur schwer verständlich, wo uns die Werbung pausenlos Bedürfnisse einflüstert und selig machenden Konsum vorgaukelt. Es ist kein Aufruf zur Verniedlichung von Armut und von Ungerechtigkeit, schon gar kein Freibrief für die Unterdrückung und Ausbeutung der Armen. Nicht umsonst klagen Propheten die Ausbeutung der Armen mit messerscharfen Worten an. Die ungleiche Güterverteilung auf unserer Welt käme bei Zefania nicht gut weg. Sie erscheint in krassem Gegensatz zu dieser Seligpreisung: Reiche werden reicher, Arme ärmer. Fast die Hälfte der Menschheit, 3 Milliarden Menschen, muss von zwei Dollar pro Tag leben, ein Drittel davon hat gar nur einen Dollar. Dasein mit und für Arme, Hilfe zu einem Leben in Fülle gehört zum Kerngeschäft des Handelns der Christen. „Teilen“ als Motto des Familienfasttages bringt dies ebenso programmatisch zum Ausdruck wie das Leitwort von Missio „teilen verbindet“. Angerührt von den Ärmsten der Armen, schreibt Manfred Göbel, deutscher Entwicklungshelfer im Einsatz für Leprakranke in Brasilien, in seinem berührenden Buch „Größer als Furcht ist die Liebe. Mein Einsatz gegen Lepra“: „Als Jesus in der Bergpredigt die Armen selig pries, da meinte er gewiss nicht das materielle Elend, den Hunger, die Krankheit und die Arbeitslosigkeit. Die Armut selig zu preisen heißt nicht, die landlosen Bauernfamilien, die leprakranken Farmarbeiter, die unterernährten Indianerkinder oder die Drogensüchtigen in den Favelas ihrem Schicksal zu überlassen. Gerade um diese himmelschreiende Armut zu bekämpfen müssen die Herzen der Menschen arm werden, arm an Ichsucht, Geiz, Neid, Habsucht, Stolz und Wichtigtuerei. Wer in diesem Sinne arm ist, der schafft in seinem Herzen Platz für Liebe, Demut, Geduld, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft. Das ist der wahre Reichtum, der den Frieden in die Herzen bringt.“
Zum Weiterdenken
Welche Schritte in Richtung einer gerechteren Verteilung der Güter auf unserer Erde setze ich? Welche Anstöße dazu kann ich in meinem Umfeld geben?
Reinhard Maier verheiratet und Vater von vier Söhnen, ist Geschäftsführer von Missio Vorarlberg.