Vor lauter Wichtigkeiten kommt das Lebensmittel des Humors allzu leicht abhanden. Humor kann zur Kraftquelle gerade in schwierigen Lebenssituationen werden, meint der Clown Michael Trybek. Es wäre also völlig verkehrt, mit dem Ende des Faschings auch den Homor ruhen zu lassen. Mit der Botschaft der Fastenzeit und des Aschermittwochs hat er eine tiefe Gemeinsamkeit: Nimm dich selbst nicht zu wichtig! Humor führt zur Gelassenheit, die auch in schweren Tagen trägt.
Humor als Lebenskunst
Humorvolle Menschen „witzeln“ Sorgen nicht weg, sondern sehen Dinge, die außerdem noch da sind
Michael Trybek möchte die Menschen dazu anleiten, ihren Humor wieder zu entdecken und zu leben. Wer das geschafft hat, kann vieles gelassener sehen.
Judith Moser-Hofstadler
„Lustig sein kann man nicht verordnen“, meint Michael Trybek. Er geht aber davon aus, dass alle Menschen ein gewisses „Humorpotenzial“ mitbekommen haben, wenn auch nicht alle das gleiche. Wie sich Humor entfalten kann, hängt davon ab, wie wir das in der Kindheit gelernt haben.
Humor für Lebensqualität. Wie viel Humor jemand bewahren kann, merkt man erst in schwierigen Lebenslagen. In Situationen wie Krankheit oder Trennung kann man Humor als Kraftquelle nutzen. Michael Trybek hat das in seiner Arbeit als Clown in einer Kinderklinik gelernt. Die Begegnung mit todkranken Kindern hat ihn geprägt. Es geht bei den Krankenhaus-Clowns nicht darum, die Krankheit wegzuwitzeln. Spaß mit Kranken zu haben heißt sicher nicht, sein Mitgefühl zu verlieren oder zu leugnen. Die jungen Patient/innen sind sich ihrer Krankheit bewusst, schauen aber auf das, was sie außerdem noch haben. „Ein humorvoller Zugang gibt die Möglichkeit, auf seine gesunden Aspekte zu achten. Das ist eine Möglichkeit, Lebensqualität zu leben. Jeder Mensch darf Humor erleben, so lange er möchte“, erklärt der Seminarleiter und Buchautor. Es gibt auch Menschen, die dieses Angebot der Begegnung nicht annehmen wollen.
Anekdote statt Peinlichkeit. Wie jemand lebt, der mehr Humor hat, erklärt Michael Trybek mit einem Beispiel: Jemand knackst sich eine Zehe an, gerade als er oder sie zum Schifahren loswollte. Jede/r ist in dieser Situation wütend. „Wenn jemand einen weiten Horizont hat, wird er sich auch ärgern, aber nicht so lange“, sagt Trybek, und das sei der Unterschied zwischen verschieden humor-begabten Menschen. Wer in so einer Situation über sich lachen und diese Geschichte als Anekdote erzählen kann, nimmt sicher andere Dinge auch nicht so ernst. In einem guten Kabarett wird das deutlich vor Augen geführt. Die Menschen erkennen sich wieder und können über Dinge lachen, die auf den ersten Blick nicht lustig sind.
Sich nicht zu wichtig nehmen. Diesen kleinen Perspektivenwechsel schaffen aber nicht alle gleich leicht. Wer Angst hat davor, sich zu exponieren oder zu blamieren, wird sich schwerer tun. Über Humor kann man gut lernen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen – und das macht viel gelassener. „Wir heischen immer um Anerkennung, und das ist die Falle“, erklärt Michael Trybek. Wer sich nicht davor fürchtet, was andere über ihn denken könnten, kann offener auf seine Mitmenschen zugehen und erntet dafür auch Offenheit vom Gegenüber.
www.trybek.at
Humor im Alltag
Ein paar Anregungen für Humor und Lebensfreude im Alltag:
- Nicht Spaß haben, sondern Spaß sein. Wie kann ich beitragen, Schwung in die tägliche Arbeit zu bringen? Zum Beispiel Menschen mit Aufmerksamkeiten überraschen.
- Ein „Humortagebuch“ führen mit Anekdoten aus dem privaten und beruflichen Alltag.
- Das Umfeld visuell gestalten, zum Beispiel durch moderne Bilder, Cartoons oder Zitate.
- Wie man in den Wald hineinruft, tönt es zurück – miteinander statt übereinander reden!
- Zuhören, bis jemand fertig gesprochen hat.
- Über Lösungen statt über Probleme reden.
- Rückmeldung statt Lob. Aus unterschiedlichen Erfahrungsfeldern kann man lernen.
- Wenn Fehler passiert sind: Keine Schuldzuweisungen und keine Rechtfertigungen. Was passiert ist, ist passiert und kann nicht mehr geändert werden.
- Über Fehler reden und daraus lernen.
- Kritik annehmen. Ein Versuch: Was passiert, wenn ich der Kritik, die an mir geäußert wurde, zustimme?
- Weitere Gelassenheit üben – ich kann mich den ganzen Tag ärgern, bin aber nicht dazu verpflichtet.
- Wer akzeptieren kann, dass er vergänglich ist, kann gelassener leben – In 100 Jahren werden ganz andere Menschen hier sein.