Aus der Praxis: Als Anita und Bernhard einander vor gut drei Jahren kennengelernt haben, verspürten sie viel Glück. Sie haben jede freie Stunde, die sie gemeinsam verbringen konnten, genossen. Nie kam ihnen der Gedanke, dass dies einmal anders werden könnte. Dann haben sie vor kaum zwei Jahren geheiratet, weil sie von ihrergegenseitigen Liebe überzeugt waren. Inzwischen sind sie in den gewöhnlichen Alltag hineingeschlittert. Wenn sie jetzt die Abende zu Hause verbringen, ist der Fernseher eingeschaltet oder Bernhard surft im Internet. Anita ist Bernhard im Herzen böse. Vorwurfsvoll klagt sie ihn an: „Du hast in mir die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben geweckt. Jetzt bietest du mir das erwartete Glück nicht. Du hast mich betrogen.\"
Was sich da ereignet, ist eine regelrechte Ent-täuschung, nämlich die (heilsame) Befreiung von Täuschungen. Eine gemeinsame Täuschung von Anita und Bernhard liegt darin, zu meinen, es würde alles immer so bleiben wie am Anfang.
In der Zeit des Kennen lernens ereignet sich eine andere Dynamik in der Beziehung als im späteren Alltag. Die Neugierde und das Interesse aneinander fördern das Gespräch, lassen es wie automatisch gelingen. Es kann jedoch mit der Zeit mühsam werden, miteinander im Gespräch zu bleiben, wenn man viel voneinander weiß und kaum Neuigkeiten oder Sensationelles zu erzählen hat.
Das Gespräch lernen. Ein Musikinstrument lernt man, wenn man Freude an der Musik hat. Die Freude aneinander motiviert zum Gespräch. Ein Instrument lernt man aber auch durch Üben. Man übt, was man schon ein wenig kann, und kann es nach dem Üben besser. Das Gespräch übt man ein, indem man es ausübt. Und durchs Ausüben übt man es ein. Für das Glück einer Beziehung ist das Gespräch das wichtigste Instrument, um Gemeinsamkeit zu schaffen sowie Probleme und Veränderungen, die im Laufe des gemeinsamen Lebens auftreten, zu bewältigen.
Miteinander reden. Die einfachste Form des Gesprächs, nämlich sich gegenseitig darüber zu informieren, was man vorhat oder tagsüber gemacht hat, aufrechtzuerhalten, lohnt sich. Miteinander reden vermittelt nämlich zwischen zwei Menschen und bewirkt etwas über das Gesagte hinaus, schafft Verbindung.
Über Gefühle sprechen. Wenn zwei Partner nicht nur über etwas, sondern von sich sprechen können, dann ermöglichen sie einander einen Blick in die Tiefen der eigenen Seele. Gefühle wie den Ärger als Ärger, die Freude als Freude, die Angst als Angst usw. auszudrücken, hilft, Missverständnisse, die sonst entstehen können, zu vermeiden.
Ich bin meines Glückes Schmied. Eineranderen Täuschung erliegen Paare, wenn sie meinen, dass der andere für das eigene Glückzuständig sei. Jeder muss für sein Glück selbst etwas tun und sei es nur, die Wünsche an den anderen klar als Wünsche zu äußern. Glückende Beziehung hat damit zu tun, dass die Partner immer wieder überprüfen, was sie einzeln und gemeinsam brauchen. Es wird von Zeit zu Zeit neu zu vereinbaren sein, wie der Beziehungsalltag zu gestalten ist. Besser, als dem anderen böse zu sein, ist es, initiativ zu werden, darüber nachzudenken, welchen Anstoß ich zu einer gemeinsamen Veränderung geben kann, damit das Miteinander wieder aktiver und schöner wird.