Ausgabe: 2008/07, Leben, Dialog, Kardinal Karl Lehmann, Kopf der Woche, Mainz, Bischof, Bischofskonferenz, Vorsitzender, Rücktritt, Theologieprofessor
13.02.2008
- Hans Baumgartner
Diese Woche leitet der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann zum letzten Mal die deutsche Bischofskonferenz. Am 18. Februar tritt der vier Mal gewählte Vorsitzende nach 21 Jahren aus Gesundheitsgründen zurück.
Seit der Ankündigung seines Rücktritts haben viele Medien das Wirken von Kardinal Karl Lehmann (71) gewürdigt. Über viele Jahre „war er das sympathische Gesicht der katholischen Kirche Deutschlands“, war da zu lesen. Und immer wieder war vom „unermüdlichen Brückenbauer“ die Rede. Trotz mancher Heckenschützen und Intrigen aus den eigenen Reihen hat sich Lehmann stets bemüht, zu allen Kollegen in der Bischofskonferenz eine Gesprächsbasis aufrechtzuerhalten und herzeigbare gemeinsame Ergebnisse zu erzielen. Trotz manch rauer Zurufe aus den verschiedenen Lagern hat er nicht aufgehört, sich für den Zusammenhalt der Kirche einzusetzen. Er war ein ehrlicher Anwalt der Kirche Deutschlands in Rom und musste dafür diesseits und jenseits der Alpen manche persönliche Kränkung hinnehmen. Seine feste Verankerung im Glauben war für Lehmann die Grundlage, einen offenen Dialog mit Politik und Gesellschaft zu führen. Und obwohl er kein Mann der grellen Schlagzeilen und lauten Sager war, sondern stets differenziert und ausführlich argumentierte, fand Lehmann auch bei den Medien Gehör.
Beliebt. Der Doppeldoktor und ehemalige Theologieprofessor verfügt auch über eine gute Portion Humor und Volksnähe. Das erklärt seine breite Beliebtheit aber nur teilweise. Den anderen Teil erklärte sein Lehrer und Weggefährte Karl Rahner einmal so: „Ich kenne niemanden, der für andere in der Wissenschaft sowie für allgemeine kirchliche Aufgaben so viel selbstlose und oft unbedankte Arbeit geleistet hat wie Karl Lehmann.“
Kardinal Dr. Karl Lehmann: „Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt das bedeutendste geistige Ereignis des 20. Jahrhunderts. Es war ein einziger großer Dialog. Wir müssen uns daher mutiger zu den Auswirkungen und zum Geist dieses Konzils bekennen.“