Nach der erleichterten Zulassung des alten Messritus haben Vertreter des Judentums sowie mehrere Bischofskonferenzen den Vatikan gebeten, die Karfreitags-Fürbitte für die „Bekehrung der Juden“ zu ändern. Nun liegt die neue Fürbitte vor und erregt Kritik.
Papst Benedikt hat verfügt, die bisherige achte Karfreitagsfürbitte im alten Messritus, in der „für die Bekehrung der Juden“ gebetet wurde, durch einen neuen Text zu ersetzen. Bereits 1962 waren aus dem alten Messbuch die Bezeichnungen „treulos“ und „Unglaube“ im Zusammenhang mit den Juden gestrichen worden.
Rückfall? Mit der neuen, am vergangenen Dienstag veröffentlichten Fassung soll der Text nochmals an die im II. Vatikanischen Konzil grundgelegten theologischen Positionen angepasst werden. Der Kernpunkt dabei ist, inwieweit die Kirche bereit ist, den Bund Gottes mit dem Volk Israel als „eigenständigen, keinesfalls defizitären Weg in der Heilsgeschichte“ (Päpstl. Bibelkommission 2001) anzuerkennen und auf jede „Judenmission“ zu verzichten. Dieser Position entspricht die in der nachkonziliaren Liturgie (ordentlicher Messritus) formulierte Karfreitagsbitte für die Juden. Mehrere Bischofskonferenzen hatten nach der erleichterten Zulassung des alten Messritus den Papst gebeten, nur mehr diese Version zuzulassen. Der Vatikan kam dieser Bitte jedoch nicht nach, was nicht nur Vertreter des Judentums kritisieren. Auch der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich schrieb an Kardinal Walter Kasper einen besorgten Brief und ortet einen Rückfall in eine überwunden geglaubte „Theologie der Verachtung“.
Ordentlicher Ritus: Im ordentlichen (nachkonziliaren) Messritus von 1970 heißt die Bitte: Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will … Allmächtiger, ewiger Gott, du hast Abraham und seinen Kindern deine Verheißung gegeben. Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk, dass du als Erstes zu deinem Eigentum erwählt hast: Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.
Außerordentlicher Ritus (tridentinische Messe): Die neue Karfreitagsbitte: Wir wollen beten für die Juden: Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen … Allmächtiger, ewiger Gott, der du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in deine Kirche ganz Israel gerettet wird. (vgl. Röm 11, 25 f) (Kardinal Kasper deutet diese Bitte als „endzeitliche Hoffnung“, nicht als Absicht zur „Judenmission“).