Mit einer Prise Verklärung kann er neu werden, der Alltag des Lebens. Ein kurzer Moment der Entrückung nur, aber dieser Blick in den offenen Himmel verändert den Blick auf die Realität und erfüllt – hoffentlich – die täglichen kleinen Schritte mit Liebe.
Evangelium
Mt 17, 1–9
Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
1. Lesung
Gen 12, 1–4a
Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte.
2. Lesung
2 Tim 1, 8b–10
[. . .] leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft: Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde. Jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.
Lange wurdest du um die türelosen
Mauern der Stadt gejagt.
Du fliehst und streust
die verwirrten Namen der Dinge hinter dich.
Vertrauen, dieses schwerste ABC.
Ich mache ein kleines Zeichen in die Luft
unsichtbar,
wo die neue Stadt beginnt,
Jerusalem, die goldene,
aus Nichts.
Hilde Domin
Wort zum Sonntag
Einen Blick in den Himmel tun
So etwas wie eine Sternstunde ist es, wovon Matthäus da berichtet. Verklärung – klingt nach Leichtigkeit, Erleuchtung, vergeistigt. Einer nüchternen, klaren, kühlen Verstandeswelt erscheint das verdächtig. Abgehoben von der Wirklichkeit, entrückt? Bodenhaftung ist doch angesagt! Drei ausgewählte Jünger nimmt Jesus beiseite. Ihr Weg führt auf den Berg, tut den Blick in die Weite auf. Wer kennt nicht solche lichtvollen Momente? Ein Wort, das trifft. Der Klang „du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Zusammenhänge durchblicken. Durch Mauern hindurchschauen. Ein Geistesblitz. Einen Blick in den Himmel tun. Das Wunderbare passiert nicht in der großen Masse. Es bleibt vertraulich, intim, nur einem engsten Kreis zugänglich. Beziehung ist etwas Einmaliges, verträgt kein Scheinwerferlicht. In der Masse verflüchtigt sie sich. Und es ist kein Dauerzustand. Sternstunden dauern vielleicht kaum Sekunden. Wie gerne möchten wir sie festhalten, „Hütten bauen“, im Glück verweilen. Aber schon hat uns der ganz gewöhnliche Alltag wieder mit seinen Höhen und Tiefen, Freuden und Einerlei, Mühen und Sorgen. Die Lasten und Misserfolge sind nicht aus dem Weg geräumt. Die Welt bleibt dieselbe. Die Träume und Sehnsüchte bleiben. Auch Abram lässt sich, vom Geheimnis des Wortes Gottes angerührt, zum Aufbruch verlocken. Mit nichts als einem Wort der Verheißung wagt er den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft: „Du sollst ein Segen sein“. Keine handfeste Gewissheit, keine Versicherung im Reisegepäck. Nur kurz hält die Entrückung an. Der Blick ist es, der sich vielleicht ändert. Der Blick in den offenen Himmel, der unseren Alltag „erdet“, uns nicht von der Realität entführt. Denn der Alltag zählt, der manchmal grau und unspektakulär ist. Mit einer Prise Verklärung kann er neu werden, die täglichen kleinen Schritte mit Liebe erfüllen. Auch Jesu Weg geht weiter – nach Jerusalem, in Richtung Karfreitag. Und Ostern.
Zum Weiterdenken
Was sind Sternstunden für mich? Verändern sie meinen Blick auf die Welt?
Reinhard Maier verheiratet und Vater von vier Söhnen, ist Geschäftsführer von Missio Vorarlberg.