Expertinnen und Experten sind sich einig: Feinstaub in der Atemluft ist schädlich für die Gesundheit. Sich selbst zu schützen, ist für den Einzelnen nicht einfach.
„Lungenerkrankungen wie Chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das heißt unregelmäßiger Herzschlag, Herzschwäche, Herzversagen, atherosklerotische Effekte, erhöhter Medikamentenverbrauch, mehr Krankenhauseinweisungen und erhöhte Sterblichkeit.“ Das sind laut Dr. Karl Waibel die Folgen von Feinstaub in der Atemluft. „Man vermutet sogar, dass Ultrafeinstaub von den Lungenbläschen durch die Wand der Blutgefäße über die Blutbahn bis ins Gehirn und in andere Organe vordringen und dort Schäden verursachen kann.“
Unsichtbare Gefahr. Die wichtigsten Quellen für künstlichen Feinstaub sind: Kraftwerke, Müllverbrennung, Industrie, Schüttgut, Zigarettenrauch, Hausbrand und Straßenverkehr (Abgase, Abrieb von Reifen, Bremsen und Kupplungsbelägen). „Je kleiner die Teilchen, desto gefährlicher sind sie“, sagt Lungenfacharzt Waibel aus Wels. Feinstaub sind feste oder flüssige Teilchen, die kleiner als 10 Mikrometer, also kleiner als ein Tausendstel eines Millimeters sind (PM10). Alles, was kleiner als 2,5 Mikrometer ist (PM2,5), geht bis in die Lungenbläschen, ultrafeine Teilchen (PM0,1) in die Blutgefäße. Diese kleinsten Teilchen sind nicht nur selbst schädlich, sie verstärken auch den Effekt von anderen entzündungsauslösenden Stoffen in der Luft. So bleiben sie etwa an Pollen haften und können deren allergische Wirkung verstärken. Gesundheitsstörungen durch Feinstaub gehen nicht wieder zurück, sondern sind bleibend.
Kinder und Alte. Besonders gefährdet sind Kinder und alte Menschen. Der Einfluss von Feinstaub auf die Entwicklung der Lungen und die Lungenfunktion ist erwiesen. Lungenfacharzt Karl Waibel sieht die Feinstaubreduktion als „wesentlichen Faktor für die Lungengesundheit unserer Kinder in naher und ferner Zukunft“. Er weist besonders auf das Passivrauchen hin. Bei älteren Menschen nimmt die Zahl der Krankenhaus-Aufenthalte wegen Atemwegserkrankungen und Herzerkrankungen mit der Feinstaub-Belastung zu. „Wenn die Belastung weniger wird, nehmen auch die Krankenhaus-Aufenthalte und die Todesfälle wieder ab, aber nicht plötzlich, sondern langsam absteigend“, erklärt Waibel.
Dicke Luft. Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist in Linz der erlaubte Schadstoff-Grenzwert schon im Jänner 2008 achtmal überschritten worden. Innsbruck ist die einzige Stadt in Österreich, in der die Feinstaubbelastung im Vorjahr gesunken ist. Der erlaubte Grenzwert wurde 2007 aber auch hier an elf Tagen überschritten. In Feldkirch in Vorarlberg war die Belastung 2007 an fünf Tagen zu hoch. Der VCÖ rät, kurze Strecken nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu bewältigen. Gerade bei Strecken unter zwei Kilometern ist der Spritverbrauch und die Schadstoff-Belastung sehr hoch.Gefahr bekannt. Die Diskussion um die Schädlichkeit von Feinstaub ist nicht neu. Karl Waibel weist darauf hin, dass in den USA vor 10 oder 15 Jahren Untersuchungen darüber gemacht worden sind. In Europa sah man sich technisch und wirtschaftlich nicht in der Lage, die erforderlichen Grenzwerte einzuhalten. Die niedrigeren EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe gelten seit 2005, und neue ab 2010.
Was jede/r tun kann
„Bei Inversionswetterlage kann man nichts machen“, so die ernüchternde Antwort von Karl Waibel. „Das würde heißen, dass der ganze Verkehr stillsteht.“ Einiges könne jede/r tun, nicht nur für sich allein, sondern für alle:
- Zu Hause – drinnen – nicht rauchen. - Rauchverbot in Lokalen, öffentlichenGebäuden oder auf Plätzen. - Öffentlichen Verkehr benutzen, der weniger Schadstoffe verursacht. Ein treibstoffsparsames Fahrzeug fahren, zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren. - Einbau von Partikelfiltern in Dieselfahrzeuge. - Photovoltaik oder Thermikenergie nutzen. „Für den Einzelnen macht das nicht viel aus, aber in der Summe macht das viel“, ist Lungenfacharzt Karl Waibel überzeugt.