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Die Ölreserven versiegen

Ausgabe: 2008/08, Ölreserven, Zumach, Fördermengen, Rohstoffe, UNO-Korrespondent, Friedensbewegung, Krieg, Öl, Energiesicherung, Kohle, Gas
20.02.2008
- Susanne Eller
Die Fördermengen an Öl werden immer knapper, die Nachfrage hingegen steigt. Die Gefahr möglicher Konflikte um die verbleibenden Rohstoffe ist laut Andreas Zumach groß. Der UNO-Korrespondent sprach kürzlich in Salzburg über die Hintergründe.

„In den nächsten 50 Jahren wird die Ressource Öl im globalen Maßstab zu Ende gehen“, davon ist Andreas Zumach, deutscher Journalist und UNO-Korrespondent der Berliner „tageszeitung“, überzeugt. Vor zukünftigen Ölversorgungsproblemen hat im Juli 2007 auch die, bis dahin beschwichtigende Prognosen abgebende, Internationale Energie Agentur (IEA) gewarnt: Ab 2012 werde wegen des weltweit steigenden Ölverbrauchs (von 80 Mill. Fass Öl pro Tag im Jahr 2003 auf 86,3 Mill. Fass pro Tag im Jahr 2007) das Maximum der Fördermenge an Öl („Peak Oil“) erreicht sein. Infolgedessen gibt es vor allem in den USA eine Entwicklung dahingehend, dass „der Verteidigungskampf um das knapper werdende Öl mit militärischen Mitteln debattiert wird“, so Zumach unlängst bei einem Vortrag u. a. initiiert vom Friedensbüro in Salzburg.

Illusion. Als die erste erfolgreiche Ölbohrung 1859 in den USA erfolgte, gab es weltweit 2200 Milliarden Fass Öl. Heute ist davon nur noch die Hälfte übrig. Dass dieser Rohstoff nicht unendlich verfügbar sein wird, war allerdings nicht immer klar. „Bis Anfang der 70er Jahre gab es die Illusion, dass das Öl nie zu Ende gehen würde und die Menschen hatten damals keine Ahnung davon, dass die Nutzung von Öl nachhaltige Umweltschäden anrichten kann“, sagt Zumach. Augenöffner war in den 70er Jahren zum einen der Wissenschaftsbericht „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome; zum anderen die erste Ölpreiskrise, ausgelöst durch die Ölförderstaaten (OPEC), die aus Ärger über die westliche Unterstützung Israels im Krieg gegen Ägypten und Syrien den Ölweltmarktpreis verdoppelten. „Diese Ölpreiskrise hatte besonders in den USA massiv eingeschlagen. Fazit war, es dürfe nicht noch einmal passieren, dass ihnen irgendwelche Ölscheichs die Energieversorgung abdrehen“, so Zumach. Hier zeigte sich erstmals die Abhängigkeit vom Erdöl.

Krieg um Öl. Diese Erfahrung Mitte der 70er Jahre hatten zur Folge, „die Energiesicherung vor allem auf politische und militärische Machtinstrumente zu stützen“, erklärt Zumach. Der Westen ging nun immer wieder Partnerschaften mit Ländern ein, die viel Öl hatten und dieses zu geringen Preisen verkauften. Den Fokus als Öllieferant legten die USA u. a. auch auf den Irak, jedoch nicht unter der USA-feindlichen Führung Saddam Husseins. Laut Zumach war das ein Grund, warum es zum US-Krieg gegen den Irak kam. Weiters zog Hussein in Erwägung, sein Öl gegen Euros zu verkaufen, was eine massive Gefährdung der amerikanischen Wirtschaft bedeutet hätte. Auch Iran beabsichtigt eine Euro-Ölbörse. US-Pläne für einen möglichen Krieg gegen dieses Land lägen schon vor.

Alternativen. Jede Krise birgt die Möglichkeit in sich, einen Wendepunkt einzuleiten – der nicht nur wegen des knapper werdenden Öls und der drohenden militärischen Eskalation wichtig wäre, sondern auch im Hinblick auf den Klimawandel. Doch dazu muss sich erst unser Verhalten beim Verbrauch und Bedarf an fossilen Energieträgern ändern. Notwendige Schritte seien für Zumach, die Energieeffizienz zu steigern, sowohl bei der Nutzung von Öl, Kohle und Gas als auch bei der Nutzung nachhaltiger Energien; den Pro-Kopf-Verbrauch drastisch zu senken; und möglichst schnell auf nachhaltige Energieträger wie etwa Sonne oder Wind umzusteigen. „Das ist keine Frage mehr von technologischer Machbarkeit, sondern eine Frage des politischen Willens. Die reichen Industriestaaten des Nordens haben da eine größere Verantwortung, die Dinge zu verändern.“



Stichwort


Zur Person

Der Journalist Andreas Zumach arbeitet im Palais des Nations, dem europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf, als UNO-Korrespondent für die Berliner „tageszeitung“ (taz) und andere internationale Rundfunk- und Fernsehanstalten. Er studierte von 1975 bis 1979 an der Universität Köln Volkswirtschaft und Journalismus. In den 80er Jahren engagierte sich Zumach im Bereich Friedenspolitik und war Sprecher des bundesweiten Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung. Zumach gilt seit Jahren als Experte u. a. auf dem Gebiet des Völkerrechts und der Rüstungskontrolle.
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