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Sonntag: Ganz „klein“

Der "kleine“ Glaube hat Potential, aus ihm kann noch Großes erwachsen. So wie aus dem Senfkorn.
Ausgabe: 2016/39
27.09.2016
„Kleingläubigkeit“ ist normalerweise nicht mit Lob verbunden. Dem
Kleingläubigen fehlt das Vertrauen, so der Vorwurf. Anders ist es bei
einem noch „kleinen“ Glauben: Er hat jedenfalls Potential, aus ihm kann
noch Großes erwachsen. So groß, dass dieser Glaube und seine Früchte
sogar den Menschen übersteigen. Die Rede ist vom „Senfkorn Glaube“.
In ihm ist alles schon enthalten.

Wort zum Sonntag

Glaube - nur so groß wie ein Senfkorn!


Wer weiß, wie klein ein Senfkorn ist? Da sind nicht jene Körner gemeint, die in unseren Gurkengläsern als Gewürze herumschweben. Vielmehr handelt es sich um den schwarzen Senf, dessen Samen ca. 0,5 mm Durchmesser haben. Aus diesem Korn, nein Körnchen, kann eine Pflanze wachsen, die bis zu 3 Metern Höhe erreicht. In der neutestamentlichen Bildsprache wird auf den Kontrast hingewiesen, der zwischen der Kleinheit des Samens und der Größe einer ausgewachsenen Staude besteht. Wie klein nur muss der Glaube sein, um Bäume oder Berge zu versetzen? Den Gleichnissen aus dem Lukasevangelium nach reicht die Größe eines Senfkorns. In diesem winzigen Samen ist alles enthalten, was später daraus wachsen kann. Seine Größe, seine unzähligen kleinen Blüten, das vielverzweigte grüne Stängelwerk, die feinen Blätter, die braunen Samenschoten … Genauso kann im „kleinen“ Glaube alles enthalten sein, was später daraus wachsen soll - das Vertrauen, die Hoffnung, die Hingebung und die Liebe. Was Jesus hier anspricht, muss nicht groß und überwältigend sein, sondern im Gegenteil - klein wie ein Senfkorn, das wir hüten und pflegen sollen, damit es sich entwickeln kann und einmal groß und reif wird. Den Glauben stärken geschieht also nicht als Großtat, sondern eher in kleinen, fast homöopathischen Dosen: Einmal am Tag ganz bei mir sein, das Gotteswort aufmerksam hören, meinen Mitmenschen mit einem Lächeln begegnen, dankbar sein, bewusst atmen, sich dem Leben anvertrauen, das Gute und Heilsame hoffen. Es braucht nicht viel, dass aus dem ‚kleinen‘ Glaube der große, der begleitende und der uns tragende Glaube wachsen kann.

Zum Weiterdenken

Wo kann ich in meinem Alltagsleben etwas tun, was meinen Glauben stärkt?
Gönne dir jeden Tag eine kleine Pause. Schließ die Augen und sei ganz bei dir. Damit schenkst du deiner Seele Ruhe, gewinnst Klarheit, Gelassenheit und neue Kraft. Wer achtsam mit sich selbst umgeht, hört wieder die Melodie seines Lebens.

27. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr C, 2. Oktober 2016


Evangelium

Lukas 17, 5–10
Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

1. Lesung

Habakuk 1, 2–3; 2, 2–4
Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit. [...] Der Herr gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann. Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben.

2. Lesung

2 Timotheus 1, 6–8. 13–14
Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft. [...] Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.
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