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Anstoß: Verletzt – und was jetzt?

Fastentraining mit der KirchenZeitung, 3. Teil
Ausgabe: 2008/08, Anstoß, Fastentraining, KirchenZeitung, Hans Peter Berger, Renate Priglinger, Katzengymnastik, Verletzungen, Josko Ried, Rebull Salzburg, Winter
21.02.2008
- Matthäus Fellinger
© CR


Hans Peter Berger


7. Dezember 2007, vorletztes Spiel vor dem Winter. Redbull Salzburg gegen Josko Ried. Da passiert es. Ein heftiger Zusammenprall von Rieds Torhüter Hans Peter Berger und dem Starstürmer der Salzburger, Alexander Zickler. Doppelter Armbruch bei Berger! Er muss nun tun, was ein Sportler eigentlich nicht trainiert: sich in Geduld üben.

Was ist Ihnen in dem Augenblick durch den Kopf gegangen, als es passiert ist?
Hans Peter Berger: Ich war geschockt. Dann kamen unheimliche Schmerzen. Ich habe aber erst nach der Operation so richtig mitbekommen, was war. Da fängt man an nachzudenken, ob und wie es mit der Karriere weitergehen wird.

Was haben Sie Herrn Zickler gegenüber empfunden, der Sie verletzt hat?
Ich war verärgert, weil er vielleicht die Chance gehabt hätte, das zu verhindern. Medien bauschen das Ganze ja auch extrem auf. Aber wenn man ein bisschen Zeit hat und ein wenig Abstand gewinnt, wird man sehr besonnen und sieht alles recht nüchtern.

Haben Sie mit Herrn Zickler seit dem Vorfall Kontakt gehabt?
Ja, ja. Im Krankenhaus.
Er war bei mir.

Und haben Sie mit ihm eine persönliche Basis finden können? Das Ganze hat ja auch rechtliche Komponenten.
Ich habe auf eine Klage verzichtet. Lieber möchte ich Fußball spielen, bevor ich ständig in den Gerichtssaal laufen muss. Für den Alexander Zickler ist es so sicher auch von Vorteil. Ich bin da nicht so nachtragend, dass ich sage: Ich verklage dich jetzt. Er hat sich entschuldigt und für mich ist die Sache gegessen. Jetzt muss ich schauen, dass ich fit werde. Das ist das Wichtige. Ich spiele gerne Fußball, er auch.

Ist es eher selten, dass das unter den Betroffenen so besprochen wird – oder bleibt da oft auch auf längere Zeit etwas hängen ?
Bei mir wird nichts hängen bleiben. Mir geht es um meine Gesundheit. Aber wir haben schon einmal so einen Fall gehabt: Die sind von einem Gerichtssaal zum anderen gelaufen. Herausgekommen ist, dass sie eine Spende für SOS-Kinderdorf gegeben haben. Das Kinderdorf wird sich gefreut haben, aber die Beteiligten waren immer noch böse aufeinander. Nichts hat das gebracht, dabei sind sie zwei, drei Jahre im Gerichtssaal herumgesessen. Für mich kommt so etwas nicht in Frage.

Haben Sie es umgekehrt auch schon erlebt – dass Sie selber einen Spieler verletzt haben?
Ja. Da sind wir aber beide zu Schaden gekommen. Ich schwer und der andere auch schwer.

Wie ist es Ihnen mit dem Gefühl gegangen: Ich habe jemanden verletzt?
Eigentlich nicht anders als jetzt. Wir haben beide schwere Kopfverletzungen davongetragen. Er hat sich bei mir entschuldigt und ich mich bei ihm. Unter Sportlern ist das vielleicht ein bisschen anders.

Hemmen solche Verletzungen im Spiel?
Als Sportler musst du das wegstecken, sonst hast du keine Chance mehr. Dafür gibt es Mentaltrainer. Man muss da sicherlich etwas machen. Man muss schon ein bisschen hart sein zu sich, sonst geht man in dem Fußballgeschäft schwer unter.

Und sehen Sie auch positive Aspekte? Sind Sie durch Verletzungen reifer geworden?
Ja, schon. Man gewinnt sicher viel Erfahrung. Und man lernt andere Werte schätzen. Fußball ist nicht alles im Leben, sag ich jetzt einmal. Ich weiß sicher das Ganze zu schätzen. Irgendwann wird es mit Fußball wieder weitergehen, auch wenn es jetzt vielleicht länger dauert. Ich bin ein aktiver Typ, aber jetzt muss ich mich in Geduld üben. Das ist für mich das Schwierigste, aber schön langsam bekomme ich das schon hin. Drei Monate wird es dauern, dann wird man weitersehen. Wenn es kürzer dauert, freue ich mich.

Haben Sie einen Plan abseits der Karriere, falls wirklich etwas Ernsthaftes passiert? Oder wäre das für Sie die echte Katastrophe?
Am Anfang wäre es sicher eine Katastrophe. Da weiß man nicht, was man tun soll. Aber ich habe einen guten Schulabschluss – sollte wirklich etwas sein – dass ich etwas anderes anfangen könnte. Als Sportler darf man von so etwas gar nicht ausgehen.

Und wie geht das Team mit so etwas um, wenn ein Kollege massiv verletzt ist? Haben Sie Kontakt?
Ja, freilich. Ich bekomme auch genügend Anrufe und alle waren schon da. Da merkt man schon, was man geleistet hat und man lernt das Ganze dann auch sehr zu schätzen, welche Herrschaften da anrufen und welche Leute sich da für einen interessieren. Und man merkt, was man in seiner Karriere alles geschafft hat, wie man vielleicht Leute auch beeindruckt hat.

Interview: Matthäus Fellinger


Kommentar


Das tut weh

Genau genommen hätte dieser Teil des „Fastentrainings“ zum Aschermittwoch gepasst: Du bist nur Staub. Aber Verletzungen halten sich nicht an Zeitpläne. Du kannst deine Fähigkeiten zur Perfektion hochtrainieren, schneller, sicherer, perfekter, auch beliebter als alle anderen werden. Ein Augenblick nur – und alles bricht zusammen.
Fußballer lernen, mit Verletzungen umzugehen. Sie wollen es nicht, aber sie müssen.
Da werden die Ziele auf einmal klein. Gesund will ich werden! Wenn nur nichts bleibt! Und dass es weitergeht!
Es geht weiter. Meistens, aber nicht immer – und oft nicht so, wie man es wollte. Heilen braucht Zeit.

Jakobs Kampf. Da ist in der Bibel die Rede von einem nächtlichen Kampf (Gen 32). Jakob ringt, nachdem er seinen ganzen Besitz und seine Familie über den Fluss gebracht hatte, mit einem Unbekannten – eine ganze Nacht. Dieser schlägt ihn auf das Hüftgelenk, sodass Jakob fortan hinkend durch das Leben geht. Hinkend, aber von einer ungeheuren Ahnung beseelt: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen.“ Im Unbekannten, der mit seiner Verletzung zu tun hat, hat Jakob das Gesicht Gottes erahnt.

Verletzungen tun weh. Aber keineswegs höllisch. Sie haben – im Gegenteil und nicht gleich im ersten Moment – etwas Himmlisches, sind wie ein Fenster, das den Blick in das Gesicht des Erschaffers freigibt. Mein Leben hängt nicht an der selbst aufgebauten Kondition, nicht an der im Schweiß errungenen und bisweilen verzweifelt verteidigten Gesundheit. Verletzungen nehmen etwas von Sterbe-Erfahrung vorweg. Verletzungen muten das Loslassen zu. Wirklich lebt, wer sein Schicksal in andere Hände zu legen vermag.

Matthäus Fellinger



Training mit Dr. Renate Priglinger


Katzengymnastik


Setzen Sie sich bequem auf einen Sessel. Dehnen und strecken Sie nun Ihre Arme und Beine genüsslich in alle Richtungen. Auch einen Buckel können Sie machen und dabei Ihre Wirbelsäule dehnen. Tun Sie das mehrmals täglich, zwei drei Minuten lang.
Das ist auch eine gute Übung für Büroarbeiter/innen.
Diese Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und „schmiert“ die Gelenke.


Spazieren – auch ohne Hund


„Führe täglich deinen Hund spazieren, auch wenn du keinen hast.“ Der tägliche Spaziergang ist ein wahrer Jungbrunnen. Sie können auf Ihrem gewohnten Weg Eindrücke sammeln. Was ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen? Falls Sie zu zweit gehen: Tauschen Sie am Ende des Spazierganges diese Eindrücke aus.





Nächste Folge: Österreichs EM-Schiedsrichter Konrad Plautz meint: Jeder verdient eine zweite Chance.



mit Dietmar Constantini




mit Schiedsrichter Konrad Plautz



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