Ausgabe: 2008/09, Reisinger, Lebensgeschichte, Frauenkommission, Timelkam, Kinder
27.02.2008
Die Lebensgeschichten von 19 ganz „normalen“ Frauen finden sich in dem Buch „Momente – Spuren – Wege“, das von der Frauenkommission der Diözese Linz herausgegeben wird. Die KirchenZeitung bringt vorab einen Beitrag über Margareta Reisinger aus Timelkam.
Sich selbst treu bleiben und ehrlich miteinander umgehen, das versucht Margareta Reisinger tagtäglich zu leben. Die Sozialpädagogin ist Mutter zweier Kinder und führt jetzt ein ganz anderes Leben als vor zehn Jahren. Ihrer Leidenschaft Musik widmet sie sich zur Zeit beim sonntäglichen Orgelspiel in der Kirche.
Margareta und ihr Ehemann Wolfgang teilen nicht nur das Interesse für Musik: Ähnliche Werthaltungen und die Beheimatung im katholischen Umfeld vereinfachen vieles im Familienalltag. Diesen bewältigt sie großteils allein. Ihr Ehemann ist beruflich viel unterwegs. Die alltäglichen Dinge sind es auch, die sie beschäftigen. „Mit den Kindern aufstehen, anziehen, frühstücken, kochen, den Haushalt erledigen, das prägt jetzt mein Leben.“ Dass in ihrem Umfeld mehrere Frauen in derselben Situation leben wie sie, erleichtert ihren Alltag. Ein überraschender Arztbesuch? – „Ich weiß, wo ich die Kinder hinbringen kann“‚ sagt Margareta Reisinger. Alles sei sehr unkompliziert, der Kontakt zu befreundeten Familien im Ort ist für sie wichtig. Manchmal besteht die Herausforderung ihres Lebens nun darin, immer das Gleiche zu machen. Dies dann mit Freude und Liebe zu tun, ohne grantig zu werden, sei Aufgabe genug. „Ich ertappe mich immer wieder dabei zu sagen: „Das geht nicht und das passt nicht.“ Wenn banale Dinge im Alltag so wichtig werden, stellt sie sich oft hin und denkt: „Darauf kommt es doch nicht an!“
Den Kindern gerecht werden. Manchmal plagt sie der Gedanke, ihren Kindern nicht gerecht zu werden. „Aber ich hab auch meine Grenzen, und im Grunde wissen sie, dass ich sie mag!“‚ erzählt Margareta Reisinger. Den Wechsel von Nähe und Distanz erlebt sie im Alltag – und auch in ihrer Beziehung zu Gott. Das Grundvertrauen ins Leben, dieses Eingebettet-Sein in ein größeres Ganzes relativiert dann vieles. Letztlich geborgen zu sein, dieses Gefühl trägt sie auch in schwierigen Zeiten: „Ich falle nie ins Leere – ob im Leben oder Sterben“, sagt sie. Der Glaube an den liebenden Gott ist ihr von klein auf vermittelt worden. Ein tragisches Ereignis in ihrer Familie hat sie als junge Frau besonders geprägt. Ihre älteste Schwester Maria starb nach einem langen Leidensweg an Krebs. Schon früh hat sie sich daher mit Krankheit, Sterben und Tod auseinandergesetzt. Das Testament ihrer tief religiösen Schwester trug den Titel: Jesus lebt – und ich mit ihm!„Diese Glaubensüberzeugung lebte meine schwer kranke Schwester bis zum Tod. Sie war sehr getragen und hat den Tod akzeptiert.“ Es war kein Kampf – erinnert sich Margareta Reisinger an die Sterbestunden ihrer Schwester. Mitgenommen aus dieser Zeit hat sie die Erkenntnis, „dass man sich vor dem Sterben nicht fürchten braucht“.
Es gibt mehr. Den Glauben an den liebenden Gott, der Zweifeln und kritisches Fragen für sie nicht ausschließt, will sie auch ihren Kindern weitergeben. „Mir ist wichtig, dass meine Kinder spüren, es gibt mehr als das, was wir sehen, hören, angreifen können. Wie kann ich ihnen das begreiflich machen?“‚ überlegt sie und gibt sich selbst die Antwort. „Erstens einfach dadurch, dass ich da bin. Und dann auch, indem wir miteinander beten, singen und in die Kirche gehen.“
Einzigartig und Verzicht zugleich. Dass sie ihre Kinder Katharina (3 J.) und Johannes (2 J.) selbst betreuen, ihre ersten Schritte ins Leben begleiten und hautnah erleben kann, betrachtet sie als „totalen Luxus“: „Das, was ich jetzt mit den Kindern erlebe, erlebe ich so nie mehr wieder!“, ist sich die junge Mutter ihrer Situation bewusst. Klar bedeute das auch so manchen Verzicht. Viel musizieren, einen Chor leiten, spazieren gehen, schwimmen, bergsteigen, mehr Zeit für sich haben – all das steht auf der Warteliste. Es ist jedoch ein Verzicht auf Zeit – und „ich weiß ja, warum ich darauf verzichte‚“ schränkt Margareta Reisinger sofort ein. Zu den Höhepunkten zählen jetzt das Orgelspielen bei den Sonntagsgottesdiensten und der Unterricht für einige Klavierschüler. Ein Traum schlummert ebenfalls in ihr ... (Gekürzter Beitrag, verfasst von KirchenZeitungsredakteurin Elisabeth Leitner.)
Über „normale“ Frauen
Von der Hausfrau zur feministischen Theologin, von der Altbäuerin zur Voest-Arbeiterin, von der Mundartdichterin zur Ordensfrau, von der Alleinerzieherin zur Pensionistin, von der Studentin zur Köchin mit Migrationshintergrund – die Frauenkommission der Diözese Linz stellt 19 Lebensgeschichten von Frauen vor. Das Buch „Momente – Spuren – Wege“ will, wie es der Untertitel auch beschreibt, „Frauenleben sichtbar machen“. Die Frauenbeauftrage der Diözese, Sonja Riha, präzisiert das Anliegen: „Die Kirche ist sehr männerlastig, da möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, was die Frauen einbringen: wie sie ihren Glauben leben, was ihre Lebensquellen sind, wie sie mit Schwierigkeiten umgehen und ihr Leben bewältigen.“ Diese Erfahrungen und Fähigkeiten darf man nicht brachliegen lassen, sie sind für die Kirche wertvoll, betont Riha: „Die Frauen sind für die Kirche ein Schatz, den es in das Bewusstsein zu heben gilt. Das ist die Absicht, die wir mit der Veröffentlichung des Buches verfolgen.“
Ein Artikel von Edeltraud Koller, Assistentin an der Katholisch-Thelogischen Privatuniversität Linz, „Die Frauen im Blick. Vielfältige Lebenssituationen von Frauen heute: ein Thema für ChristInnen“, bietet die Möglichkeit, sich mit dem Thema grundsätzlich auseinanderzusetzen.