Roni Hammermann – Israelin mit Wiener Wurzeln und Zweitwohnung – gehört zu den Gründungsfrauen von Machsom Watch. Die Menschenrechtsgruppe steht an den israelischen Checkpoints Palästinensern bei.
Eine Palästinenserin soll auf der Straße ihr Kind geboren haben, weil sie – auf dem Weg ins Spital – die israelischen Soldaten nicht den Checkpoint (Kontrollposten) passieren ließen. Die Nachricht klang zu Beginn des Palästinenseraufstandes im Jahr 2000 noch so unglaublich, dass Roni Hammermann zu einem dieser Checkpoints ging. Was sie dort mit eigenen Augen sah, war Auslöser für die Gründung von Machsom Watch (Machsom ist das hebräische Wort für Kontrollposten). Inzwischen zählt die Grupppe 500 israelische Frauen. Täglich gehen Machsom-Watch-Frauen zu dritt oder viert zu 32 von den über 70 Checkpoints, um dort mehrere Stunden lang den Soldaten auf die Finger zu schauen. Entwürdigende Schikanen und Übergriffe werden penibel dokumentiert und auf ihrer Homepage (www.machsomwatch.org) publik gemacht.
Trotz allem. Die konkreten Erfolge von Machsom Watch sind bescheiden, gesteht die 67-jährige Hammermann nüchtern ein. Und doch haben die Frauen Entscheidendes erreicht: „Heute wissen in Israel alle, was an Checkpoints in ihrem Namen geschieht.“ Checkpoints dienen offiziell der Sicherheitskontrolle, inoffiziell aber sollen sie den Palästinensern das Leben schwer machen. So schüren sie nur den Hass, erklärt die Menschenrechtsaktivistin. Sie kommt oft sehr deprimiert von den Einsätzen heim, aber aufgeben kommt für die Universitäts-Bibliothekarin nicht in Frage. Die Offenheit für das Leid anderer Menschen ist das Vermächtnis ihres Großvaters. Dem weiß sie sich verpflichtet. Der Großvater wurde in Auschwitz ermordet.
Roni Hammermann: „Wir sehen in den Soldaten keine Monster – mein Sohn und meine Tochter waren auch beim Militär. Wir können ihnen aber nicht die Verantwortung für ihr Verhalten abnehmen.“