Wieso flüchtet jemand aus seinem Heimatland? Wie ist es, fremd zu sein? Ein Workshop der Young Caritas bringt Schüler/innen dazu, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.
„Die brauchen eh nix tun.“ Die, das sind Asylsuchende, und von ihnen hält Gerald recht wenig. Damit denkt der 13-jährige Hauptschüler ganz ähnlich wie seine Kolleg/innen der 4c-Klasse der Hauptschule Eferding-Nord: „Die Ausländer bekommen alles gratis und sie wollen sich nicht anpassen. Sie rennen dauernd mit einem Schleier herum“, sagt eine Mädchengruppe, für die Fremde „keine Freunde, sondern Feinde“ sind. Viele solcher Feinde können die Mädchen in der Eferdinger Hauptschule jedoch nicht haben. Hier gibt es nur wenig „Ausländerkinder“. In der 4c ist es mit Nakip gerade einmal ein Einziger.
Wenig Fremdes, viel Angst. „Gerade da, wo es wenig Kontakt zu Ausländern gibt, ist die Angst und Ablehnung vor dem Fremden groß“, weiß Mag. (FH) Michaela Haunold aus ihrer Erfahrung. Die Sozialmanagerin und Referentin der Young Caritas hält heute Vormittag in der 4c-Klasse einen Workshop gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile. Wie man diese negativen Einstellungen gegenüber Ausländern etwas aufbricht? Zuerst mit viel Infos. Die meisten Jugendlichen beschäftigen sich durch die Ausführungen der Young-Caritas-Mit-arbeiterin erstmals mit der Lebenssituation von Flüchtlingen. Etwa: Dass Asylwerber alles andere als reich sind. Mit 40 Euro im Monat Taschengeld müssen sie (Wohnen und Essen ist extra) auskommen. Oder wenn die Schüler/innen dazu aufgefordert werden, über Fluchtgründe nachzudenken: „Krieg, Naturkatastrophen, Androhung von Gewalt, große Armut“, fällt den Jugendlichen schnell ein. Es dämmert ihnen: Niemand flüchtet „just for fun“. „Sie hoffen, dass es ihnen bei uns besser geht“, sagt Gerald.
Flüchtlingsschicksale. Was hingegen kaum eine/r weiß: Wie lange es dauert, bis Flüchtlinge den endgültigen Bescheid bekommen, ob sie in Österreich bleiben dürfen oder nach Hause geschickt werden (meist sind es mehrere Jahre), und wie belastend die Wartezeit ist. Eine Vorstellung davon gibt ein Film der Caritas, in dem Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen. In einer Szene erklärt ein 14-jähriger Kosovare in breitem Oberösterreicher-Dialekt, wie seiner Familie mit Mord gedroht wurde, ihr Haus abgefackelt wurde, dass sie deshalb flohen und er sich – nach vier Jahren – in Österreich mittlerweile wie daheim fühlt. Michaela Haunold wird nach dem Film sagen: „Er ist bereits abgeschoben worden.“ Das sorgt für bestürzte Mienen bei den Schüler/innen.
Außenseiter sein. Neben diesen teilweise erschütternden Fakten lernen die Jugendlichen nicht nur durch Sehen, sondern auch durch Fühlen. Wie es ist, fremd zu sein und quasi in der Haut von Ausländern zu stecken, erleben zum Beispiel Fabian und Gerald am eigenen Leib. Die Mitschüler/innen bilden einen geschlossenen Kreis, in den die beiden Burschen hineinkommen müssen. Fabian und Gerald schaffen es erst nach hartem Kampf. „Ausländern geht es oft auch so“, erklärt Michaela Haunold. Gerald: „Das war echt schwierig. Ich glaub, dass es von beiden Seiten abhängt, damit alle im Kreis sein können.“