„Schande Armut“ – so der Titel der 7. Österreichischen Armutskonferenz, die vom 3. bis 5. März in Salzburg stattfindet. Menschen, die von Armut betroffen sind, schämen sich ihrer Situation und fürchten, ihr Gesicht zu verlieren, so der Sozialexperte Martin Schenk bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Wien. Diese Scham hindere viele daran, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur 40 Prozent aller Bezugsberechtigten beziehen tatsächlich Sozialhilfe, sagt Schenk. Damit sei vielen Betroffenen von vornherein der Weg aus der Armut verwehrt.
Mindestsicherung. Besonderes Augenmerk wird bei der Armutskonferenz auch auf die bedarfsorientierte Mindestsicherung gelegt, die mit 1. Jänner 2009 in Österreich eingeführt werden soll. Die Mindestsicherung werde aber nur dann sinnvoll greifen, wenn gleichzeitig eine aktive Arbeitsmarktpolitik in Angriff genommen werde, die auf die Bedürfnisse der von Armut Betroffenen – meist Langzeitarbeitslose – entsprechend eingehe, so Schenk. Das Arbeitsmarktservice dürfe sich nicht mehr nur als eine Arbeitsvermittlung verstehen, sondern müsse zu einem „sozialen Servicecenter“ umgebaut werden.
Psychisch Kranke. Der Psychiater Prof. Karl Dantendorfer machte auf das Problem der zunehmenden psychischen Erkrankungen aufmerksam. Allein 2007 seien 8000 Personen wegen psychischer Erkrankungen in Frühpension gegangen (Durchschnittsalter z. B. bei Schizophrenie: 40 Jahre). Viele Kranke hätten damit schon in jungen Jahren keine Lebensperspektive mehr und keine Aussicht, jemals wieder arbeiten zu können. Hier brauche es neue Modelle, die z. B. auch vorübergehende Arbeitsmöglichkeiten eröffnen oder geringfügige Beschäftigungen möglich machen.
Situation. Laut Armutskonferenz sind derzeit rund 420.000 Menschen in Österreich von akuter Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, der größere Teil davon sind Frauen. Rund eine Million Menschen gilt als armutsgefährdet. Zu den Risikogruppen zählen insbesondere Alleinerzieherinnen, kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose und Migranten. 96.000 der von akuter Armut Betroffenen sind Kinder.