- Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger, Direktor der Kath. Sozialakademie, Pilger
Gewohnte Pfade verlassenNur wer bereit ist, die Sicherheiten und eingespielten Bahnen seines gewohnten Lebens zu verlassen, auf exaktes, planerisches Kalkül zu verzichten und sich einzulassen auf Neues, Ungewisses, Unplanbares – nur der erfährt die Gnade der Begegnung, der Entwicklung, der Verwandlung und Erneuerung des eigenen Lebens. – Das ist die Kernbotschaft dieses Films, an dessen Titel nur der Begriff „pilgern“ bedeutsam ist: Denn worum es in dem Film wirklich geht, ist weder spezifisch französisch noch der Jakobsweg, der lediglich den Handlungsrahmen abgibt: Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe macht sich unter der Leitung eines Wanderführers auf den Weg nach Santiago, durchlebt natürlich intensive gruppendynamische Prozesse, und alle erfahren dadurch eine für sie wichtige Wandlung. Das Einzige, was diese Pilger gemeinsam haben: Sie sind nicht vorbereitet – weder auf die körperliche Belastung eines vielwöchigen Fußmarsches noch auf die inhomogene Gruppe. Darin besteht für mich auch schon das stärkste Moment dieses „pedestrischen“ Road-Movies, das den Film doch sehenswert macht. Denn in der Konfrontation mit dem Unvorhersehbaren und Ungeplanten finden die Filmpilger das, was zahllose andere Menschen suchen, wenn sie sich auf den Jakobsweg machen: intensive Selbsterfahrung, Wandlung und Neuausrichtung des eigenen Lebens. – Das Problem der Realität: Überbordende Infrastruktur und Informationsflut haben den Jakobsweg mittlerweile zur weidlich ausgetretenen Bahn verwandelt, die genau dieses wichtige Moment eher behindert als fördert. Aber es gibt zum Glück noch so viele andere gehenswerte Wege …