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Jesus wahr-nehmen

4. Fastensonntag (Lesejahr A), 2. März 2008
Ausgabe: 2008/09, Sonntag, Jesus wahrnehmen, Sonnenbrillen, Granegger, Betriebsseelsorge, Wort zum Sonntag, 4. Fastensonntag, Menschensohn, Evangelium, Lesung, Johannes, Blinde
27.02.2008
Da ist einer, ist blind von Geburt an. Und da sind die anderen, sie können sehen. Wer aber ist blind und unwissend, und wer kann sehen und erkennen? Wollen jene, die sehen können, auch erkennen, wer der Menschensohn ist und an ihn glauben? „Sag es mir, damit ich an ihn glaube“, antwortet der Geheilte.


Evangelium


Joh 9, 1–41

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich im Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst. Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweitenmal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden? Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete:
Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: Damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.


1. Lesung


1 Sam 16, 1b. 6–7. 10–13b




2. Lesung


Eph 5, 8–14





Sich nicht verstecken, hinter Sonnenbrillen



oder vorgeschützten Standpunkten, sondern sehen wollen. Zuerst geht es bei der Heilung des Blinden um das Sehen-Können. Dann aber geht es plötzlich um mehr . . . frei von jeder Angst die eigene „Ansicht“ zu vertreten.



Wort zum Sonntag


Ins Leben geheilt

Nicht alle Menschen in seiner Umgebung hat Jesus gesund gemacht. Viele aber hat er geheilt, und das ist ein Unterschied. Die Heilung des Blindgeborenen im neunten Kapitel des Johannesevangeliums erzählt, wie einem Menschen neben seiner Gesundheit auch die Fähigkeit zu einem selbstbewussten Leben geschenkt wird. Darin leuchtet das Anbrechen des Reiches Gottes auf, das mit Jesus schon begonnen hat. Jesus macht den Mann zunächst gesund. Er schenkt ihm das Augenlicht und damit seinen eigenen Blick auf die Welt. Seine Gesundung schlägt natürlich Wellen. Wie kann einer, der blind geboren ist, wieder sehen? Wer ist es, der so etwas bewirken kann? Die Eltern werden befragt. Die Angelegenheit landet vor den Pharisäern, den Fachkundigen in religiösen Belangen. Die Diskussion wird dabei noch ein Stück brisanter, denn die Heilung geschah an einem Sabbat. Manuelle Arbeit war an diesem Tag verboten. Jesus hat durch das Kneten eines Teiges eindeutig den Sabbat gebrochen. Wie ist also sein Tun zu beurteilen?

In dieser Auseinandersetzung zeigt sich die tiefere Dimension der Gesundung des Mannes, seine Heilung. Er findet zu seinem eigenen Urteil und zum Mut, es zu vertreten. Während seine Eltern ängstlich und feig reagieren, bekennt er Jesus als Prophet, tritt den Pharisäern gegenüber offen auf und verteidigt das Tun Jesu. In der persönlichen Begegnung mit Jesus findet er zum Glauben an ihn.

Wenn Jesus heilt, dann macht er nicht nur körperlich gesund. Das Heil werden betrifft den ganzen Menschen. Der Blindgeborene kann sein Nicht-Sehen-Können oder Wollen ablegen. Er ist frei von der Angst, die ihn stets hinderte, seine eigene „Ansicht“ zu vertreten. Er ist ins Leben geheilt, selbstbewusst, couragiert und frei.

Zum Weiterdenken

„Gesundheit ist das Wichtigste“ höre ich oft als Neujahrswunsch. Keine Frage, Gesundheit ist ein äußerst wertvolles Gut.
Aber, reicht Gesundheit allein wirklich für ein sinnerfülltes Leben?



Rupert Granegger, Arbeiterpriester in der voestalpine Linz, beschäftigt als Wartungsarbeiter in der Klimatechnik,und Betriebsseelsorger im Treffpunkt mensch&arbeit.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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