An der Kleidung der Menschen merkt man es nicht mehr – dass Sonntag ist. Die Zeiten sind vorbei, dass man sich an Festtagen mit dem besseren Gewand kleidete. Kleidervorschriften machen eher Arbeitgeber – um mit dem Gewand ihrer Angestellten die Seriosität ihres Unternehmens zu untermauern. Wo freie Kleiderwahl herrscht, trägt man meist legäre Freizeitkleidung. Der Unterschied zwischen Sonntag und Alltag verschwindet in der Freizeitgesellschaft ebenso wie der Unterschied zwischen Festbraten und Alltagskost. Ist ja immer alles da! Doch gerade im Einebnen des Unterschieds zwischen dem Alltäglichen und dem Besonderen geht die Lebensspannung verloren. Wenn man sich das Gute schon an jedem Tag leisten kann, warum sollte man es dann nicht auch täglich genießen? Doch die Rechnung geht nicht auf: Wird das Besondere zum Alltäglichen, ist bald das Beste nicht mehr gut genug. Zur Fastenzeit gehört auch dies: den Alltag neu schätzen zu lernen, Alltagskost zu wählen. Dann werden auch die Festtage ihre Kraft bekommen. Christen gehen auf Ostern zu. Was Auferstehung bedeutet, werden jene besser erahnen, die ihren Lebenshunger zu wahren wissen.