„Nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Gehirn denken wir“, hat der griechische Philosoph Hippokrates gemeint, und damit eine Richtung gewiesen, die für das Abendland prägend wurde. Die „griechische Wurzel“ sei für Europa so prägend wie die christliche, sagt man.
Die Karwoche führt Christen an die Grenzen des Denkens. Sterben – Tod – Auferstehung. Sie lassen sich nicht einfach verstehen und begreifen, nicht beweisen. Die Karwoche stößt Menschen auf Wahrheiten, die sich nicht im Denken, sondern im Mitgehen erschließen. Glaube ist mehr als ein bloßes Für-richtig-Halten im Kopf. Nicht, ob jemand Jesus für den Sohn Gottes hält, macht den Glauben aus, sondern ob er mit ihm geht und lebt. Glaube ist nicht nur Mitwissen, sondern auch Mitfühlen, Mitleiden und Mitfreuen. Wo Glaube Menschen nicht tiefer berührt als ein Kreuzworträtsel im Kopf, ist er noch nicht auf den Grund gekommen. Glaube ist Anteilnahme. In der Karwoche weiß sich der Christ vor allem in der Rolle dessen, der abbiegt vom eigenen Weg, um das Kreuz des Anderen mitzutragen. Der Kopf allein kann nicht tragen.