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Wir werden älter: Jede/r einzelne von uns, und alle miteinander als Gesellschaft. Beides betrifft uns und sollte uns beschäftigen, damit wir Chancen nutzen können.
Die Jungen werden immer weniger, die Alten immer mehr -– weil früher mehr Kinder geboren worden sind, und weil durch die Medizin die Menschen immer länger und gesünder leben. Expertinnen und Experten, die sich mit dem Bevölkerungswachstum beschäftigen, haben vor dieser Entwicklung gewarnt. Inzwischen sind sich nicht mehr alle einig, ob das gut oder schlecht für eine Gesellschaft ist.
Späte Freiheit. Die Zeiten, in denen alte Menschen nur als Pflegefälle gesehen worden sind, sind vorbei. Natürlich gibt es Alte, die nicht mehr alleine für sich sorgen können. Auf der anderen Seite erleben Frauen und Männer den Lebensabschnitt nach Beruf und Familie als „späte Freiheit“. Die Altenarbeit geht weg von der reinen Fürsorge in Richtung Beteiligung.
Glücklich im Alter. Auch die Kirche muss sich damit beschäftigen, was alte Menschen brauchen. Wie sie das Altern sehen, darüber haben bei einem Symposion der Altenpastoral Ende Februar in Salzburg Expertinnen und Experten diskutiert. In einigen Punkten sind sie sich einig. So genügt es nicht, sich um die finanzielle Absicherung zu kümmern. Das ist zwar ein wichtiges Thema, aber auch im Alter macht Geld allein nicht glücklich. Zu einem zufriedenen Leben gehören auch soziale Beziehungen. „Eine wichtige Alterstätigkeit ist es auch, einmal am Friedhof zu verweilen, um bei seinen Lieben zu sein, aber das kann noch nicht alles sein“, formuliert der Soziologe Franz Kolland Eine weitere Voraussetzung für Altern in Würde ist für ihn die Bildung, „die Auseinandersetzung mit sich selbst“. Die Alten dürften sich dabei nicht auf ihre Autorität berufen. Es geht nicht, dass diese gegenüber Jüngeren meinen, automatisch im Recht zu sein. Das braucht mehr Austausch.
Bedürfnisse äußern. Diesen Austausch zwischen den Generationen sieht die Theologin Martina Blasberg-Kuhnke schon. Sie erzählte, dass ihr 16-jähriger Sohn seinen Großeltern ein Buch zur Einführung in den Computer für Ältere geschenkt hat mit einem kleinen Kurs. Damit sie sich per E-Mail austauschen können. Blasberg-Kuhnke hat als junge Frau begonnen, sich mit Altenarbeit zu beschäftigen, und musste sich dafür rechtfertigen. Umgekehrt ist das nichts Außergewöhnliches. Ganz selbstverständlich beschäftigen sich auch ältere Erwachsene damit, was Kinder und Jugendliche brauchen. Sie hält es für wichtig, „bei sich und bei der eigenen Situation zu sein“. Wer 40 wird und damit eine Krise bekommt, die bis 50 dauert, versäumt womöglich neue Chancen für sein Leben. Vor allem ältere Frauen müssen lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren, weil sie von klein auf gelernt haben, dass man das nicht tut.
Wer uns alt macht. „Ein Wechselspiel zwischen Gewinn und Verlust“ ist das Altern für die Medizinerin und Philosophin Barbara Maier. Ob wir alt sind, hängt davon ab, wie wir selbst das sehen, aber auch, wie wir von anderen gesehen werden. Ein großes Tabu sieht sie als Gynäkologin in der Alterssexualität. Ein Beispiel nennt sie: „Wir haben eine First-Love-Ambulanz, aber keine Last- oder Later-Love-Ambulanz.“
Ende des Erduldens. Ingrid Turkovic-Wendl, frühere Eiskunstläuferin, Fernseh-Moderatorin und Politikerin, sieht eine Veränderung darin, wie sich alte Menschen selbst erleben: „Vor uns war die Generation des Erduldens. Das kann schon Stärke geben, aber sich ständig als Opfer zu sehen, nimmt uns auch den Lebensgenuss.“ Sie meint, die Älteren sind selbst verpflichtet, ihre Chancen zu sehen und zu nützen. „Wir können etwas fordern, wir werden gebraucht“; meint sie. „Wenn mir schon der liebe Gott die Möglichkeit gibt, dann will ich das auch nutzen.“
Vier Fragen
Die Theologin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke formuliert vier Fragen zum Altern:
- Wo werde ich leben? Wo sind die Lebensräume, Orte, wo Menschen für sich und mit anderen gedeihlich altern können?
- Mit wem werde ich leben? In welchen Lebensformen, Beziehungen, Bindungen auch abseits von Ehe und Familie?
- Wovon werde ich leben? Welche Möglichkeiten habe ich selbst und welche bietet die Gesellschaft – finanziell aber auch in Bildungsfragen?