Die westlichen Kirchen feiern Ostern. Was zu Ostern geschah, haben Menschen nach der Auferstehung Jesu begriffen, nachdem sie mit ihm unterwegs waren, als er das Brot mit ihnen brach. Für Sr. Emmanuela Reichl im Kurhaus Aspach hat Emmaus eine besondere Bedeutung. Als „Pilgebegleiterin” lässt sie auch andere daran teilnehmen.
Wie sind Sie „Pilgerin“ geworden – und später Pilgerbegleiterin? Sr. Emmanuela: Ein Pilgerweg bietet die Möglichkeit, auf tiefer gehende Fragen zu stoßen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist Sinn und Ziel meines Lebens? Im Unterwegssein kann man Antwort finden. Unser Kneippkurhaus liegt auf dem neuen Pilgerweg (Via Nova). Um Menschen in ihrer Suche nach Gott zu begleiten im gemeinsamen Unterwegssein, machte ich 2005 die Ausbildung zur spirituellen Pilgerwegbegleiterin in Niederaltaich.
Ihr Pilgern verstehen Sie auch als ein „Gehen nach Emmaus“: Können Sie das ein wenig verdeutlichen? Unterwegs sind wir alle, und unser ganzes Leben gleicht einem Pilgerweg. Als Pilgerin und als Ordensschwester verstehe ich mein Leben als Weg der Gottsuche. Gott suchen kann ich nicht allein. Ich brauche die Schwester, den Bruder. Und in dieses Miteinander-Unterwegssein, im Mitteilen von Lebens- und Glaubenserfahrungen, tritt Jesus hinzu mit der Zusage: „Wo zwei oder drei zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen.“ Er führt den Weg zum Ziel. Mit Jesus in der Mitte auf dem Weg gelingt mein Leben zum wahren Menschsein und Christsein. Nur wenn ich mich auf den Weg mache und mich von Jesus aufbrechen lasse aus allen Zweifeln, Dunkelheiten und Enttäuschungen, kann ich Jesus als den Auferstandenen erkennen und erfahren. Das ist Emmaus.
Hatten Sie selbst ein „Emmaus-Erlebnis“? Ein Emmaus- Erlebnis habe ich gehabt. Es gab dunkle Wegstrecken auf meinem Lebensweg, und es wurden mir immer Begleiter auf dem Weg geschenkt, denen ich mich anvertrauen konnte. Und in diesen Begleitern durfte ich Jesus begegnen und erfahren. Vor allem haben diese Begleiter auf meinem Weg drei Namen: die Natur, die Heilige Schrift und ein echter Freund.
Sr. Emmanuela Reichl
Von klein auf hieß es für Sr. Emmanuela Reichl, Leben und Brot zu teilen. In einer Arbeiterfamilie in Steyregg ist sie mit 14 Geschwistern aufgewachsen. 1982 trat sie bei den Marienschwestern in Linz in das Kloster ein. „Eine tiefe Gottes-Jesuserfahrung war für mich der Beweggrund, mein ganzes Leben ausschließlich in seinen Dienst zu stellen“, erzählt sie. Besonders angesprochen fühlt sich Sr. Emmanuela von den Karmelheiligen Therese von Lisieux und Teresa von Avila: „In ihnen fand ich mich mit meiner persönlichen Jesuserfahrung wieder.“ Besonders prägend für ihr geistliches Leben ist Teresas Definition über das Gebet: „Das Gebet ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft zusammenkommen, weil wir wissen, dass er uns liebt.“
- Eine Information zur Pilgerbegleiter-Ausbildung finden Sie in inpuncto pilgern, Seite 13.