Aktion SEI SO FREI unterstützt Alphabetisierungskurse für Frauen in Guatemala
Ausgabe: 2008/12, Sei so frei, Guatemala, Schlüssel, Aktion, Bildung
19.03.2008
- Josef Wallner
„Wenn wir wirklich nachhaltige Entwicklung in Gang setzen wollen, müssen wir etwas für die Alphabetisierung tun“, sagt Franz Hehenberger von der Aktion SEI SO FREI. Die „Dritte-Welt“-Aktion der Katholischen Männerbewegung fördert daher den Schulbesuch für Erwachsene. Wie zum Beispiel in den Bergdörfern Guatemalas.
Xek’ich’elaj – so schwer der Name des Dorfes für Europäer auszusprechen ist, so schwer ist es auch zu erreichen. Nur über eine steile, schmale, staubige Straße kommt man nach Xek’ich’elaj. Das Dorf mit rund 80 Familien liegt mehr als 20 Kilometer von der nächsten größeren Siedlung entfernt. Mit Hilfe der Aktion SEI SO FREI konnten die Bewohner ihre Schule von Grund auf sanieren. Die Freude, die die Kinder mit dem neuen Gebäude samt Fußballplatz hatten, sprang bald auf ihre Mütter über. So drücken nun 25 Frauen des Dorfes die Schulbank und lernen Lesen, Schreiben, Rechnen und auch die Amtssprache Spanisch. Zwei- bis dreimal wöchentlich kommen die Frauen nachmittags und abends aus den weit verstreuten Hütten zum Schulhaus.
Schule heißt totaler Einsatz. Der Einsatz, den der Schulbesuch von den Frauen verlangt, nötigt Respekt ab. Im Alltag sind sie ohnehin bis an die Grenzen des Erträglichen belastet. Dem kärglichen Boden das Allernotwendigste zum Leben abzutrotzen, ist nicht einfach und gelingt nicht immer. Da die meisten Männer auf weit entfernten Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen um umgerechnet einen Euro pro Tag – oft mehr als zwölf Stunden – schuften, lastet die Verantwortung für Kinder und Haus ganz auf den Frauen. Aber die Maya-Frauen sind mit Zähigkeit am Lernen, weil sie spüren, dass Lesen und Rechnen wie Schlüssel sind, die Türen öffnen: zum Gemüsemarkt, wo man sie nicht mehr so leicht über den Tisch ziehen kann, und zur Mitsprache in Angelegenheiten des Dorfes.
Bildung und Geduld. „Alphabetisierung spürt man nicht sofort, aber auf Sicht gesehen ist das die einzige Chance für die Menschen, sich aus dem Teufelskreis der Armut zu befreien“, unterstreicht Franz Hehenberger. „Eine Hütte hat man in einigen Tagen gebaut, aber Bildungsmaßnahmen dauern.“ Dafür sind sie auch nachhaltiger, weil man auf Bildung aufbauen kann: Kurse für Gemüsezucht und zur Förderung von Gesundheit. Eine Maya-Frau aus Xek’ich’elaj, die seit Frühjahr 2007 am Alphabetisierungsprogramm teilnimmt, erzählt verschmitzt lächelnd, dass der Bürgermeister oft nicht ganz glücklich ist: Bislang musste er den Frauen die Gemeindenachrichten vorlesen, nun kann sie selbst lesen – und da merkt sie oft einen deutlichen Unterschied zwischen dem, wie der Bürgermeister die Gemeindenachrichten interpretiert, und dem, was wirklich auf dem Papier steht.
- Dieser Ausgabe der KIZ liegt ein Zahlschein der Aktion SEI SO FREI bei.