Weil in ihm der Keim neuen Lebens steckt, ist das Ei zum Ostersymbol geworden. Gefärbt und verziert erzählt ein Osterei vom Sieg des Lebens über den Tod – und verdeutlicht ebenso die Not der Menschen mit dem Osterglauben. Äußerlich scheint alles in Ordnung. Eine entspannte, schöne Zeit steht an, Tage, auf die man sich freut. Zeitungen bringen Lesestoff über Jesus und Kirche, das Fernsehen den passenden Film. Für ein festliches Essen wird eingekauft, die Besuche an den Feiertagen sind ausgemacht. Selbst Papstworte kann man sich auf das Handy bestellen. Einzig das Wetter bleibt unberechenbar. Die Osterschale scheint intakt. Wie immer schon und jedes Jahr verläuft Ostern in Bräuchen und Riten und zu festgesetzten Zeiten – wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Mehrheit der Menschen mit der Osterbotschaft nichts anzufangen weiß. Ihr Glaube ist wie ein ausgeblasenes Osterei: Es dient der Dekoration. Nichts Lebenspendendes wird daraus erwartet. Keine Hoffnung steckt in der Schale, nichts, womit man sich nähren könnte. Die Schale schützt nicht das kostbare Gut des Lebens, sie verbirgt nur die Leere. Erst wenn die Schale aufbricht, ist Leben – ist Ostern.