80.000 Kerzen erinnerten an die Opfer der NS-Diktatur. 20.000 Menschen kamen zur „Nacht des Schweigens“ auf den Heldenplatz
Ausgabe: 2008/12, NS-Diktatur, Nacht des Schweigens, Heldenplatz, Hitler, Gedenken, Opfer, A Letter to the Stars, Erika Weinzierl, Juden
19.03.2008
Dort, wo Hitler nach dem Anschluss Österreichs laut bejubelt wurde, auf dem Wiener Heldenplatz, fand in der Nacht vom 12. auf 13. März eine beeindruckende Gedenkfeier statt. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Katholischen Jugend und von der Aktion „A Letter to the Stars“, bei der sich zahlreiche Schüler/innen mit den Opfern der NS-Zeit auseinandergesetzt haben. In berührender Weise erzählte die Historikerin Erika Weinzierl, wie sie als Kind und Jugendliche die NS-Zeit und die Verfolgung der Juden erlebt habe und wie viele Österreicher/-innen davor die Augen verschlossen hatten. Nach einer kurzen Eröffnungsfeier gedachten 20.000 Menschen, die bis spät in die Nacht auf den Heldenplatz gekommen waren, im Schweigen der rund 80.000 von der NS-Diktatur ermordeten Österreicher/innen.
In einer bemerkenswerten Erklärung zum „Anschluss“ bekannte sich der Ökumenische Rat der Kirchen Österreichs zu „einem ehrlichen Blick auf die Vergangenheit – auch wenn er schmerzlich ist“. Angesichts des „ungeheuren Leids“ und der „Mitschuld der Kirchen“ dürfe die Vergangenheit für die Christen kein „abgeschlossenes Kapitel“ darstellen. Ausdrücklich nennt der ÖRK den christlichen Antijudaismus, der viele für den rassistischen Antisemitismus blind gemacht habe. Bis in die obersten Kirchenetagen hätten sich viele von der pseudoreligiösen NS-Propaganda und ihren Versprechungen verführen lassen. Ein Grund dafür war auch „fatale Politiklosigkeit der Kirchen“ (Bünker).