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19.03.2008
Frühmorgens geht Maria von Magdala zum Grab. Es ist ein Weg im Dunkel, voller Verzweiflung, geprägt vom Tod. Die zum leeren Grab geholten Jünger gehen wieder, sie bleibt alleine zurück. „Maria!“, spricht der vom Tod auferweckte Jesus sie an, und schickt sie zu den anderen Jüngern und Jüngerinnen – mit der Botschaft voller Freude, Hoffnung und Leben.
Evangelium
Joh 20, 1–18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
1. Lesung
Apg 10, 34a. 37–43
Da begann Petrus zu reden und sagte: [. . .] Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.
2. Lesung
1 Kor 5, 6b–8
Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.
Danket dem Herrn,
denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig. In der Bedrängnis rief ich zum Herrn; der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht. Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun? [. . . ] Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
Psalm 118, 1–6. 1–24
Wort zum Sonntag
Ein Manifest des Lebens
„Ein Manifest (lateinisch: manifestus – handgreiflich gemacht) ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur, so die Erklärung im Internetlexikon Wikipedia. Im Sinne dieser Definition ist für mich Ostern das bedeutendste göttliche Manifest. Gott bekundet in der Auferstehung Jesu Christi seine Liebe zum Leben. Diese Liebe endet nicht im Tod und im Scheitern. Sie geht über den Tod hinaus und durch den Tod hindurch. Der Blickwinkel auf das menschliche Leben ist ein neuer geworden. Es gibt zwar weiterhin die Begrenztheiten und die Bedrohungen wie Krankheiten, Katastrophen, das Scheitern und den Tod. Diese Grenzen haben aber ihre Endgültigkeit verloren. Im Kirchenlied singen wir „der Tod hat keinen Stachel mehr, der Stein ist weg, das Grab ist leer! Halleluja! Halleluja!“ (aus: Der Heiland ist erstanden, Gotteslob 905). Gottes geschenkte „Zukunft“ heißt Leben.
Ostern als Manifest des Lebens darf nicht missgedeutet werden als billige Jenseitsvertröstung für alle Zukurzgekommenen. Im Gegenteil: Gottes Lebensliebe ist deutlich geworden in den Worten und Taten des Jesus von Nazareth. Seine Zuwendung zu den Schwachen und Ausgegrenzten galt dem Hier und Jetzt und bewährte sich durch das Scheitern hindurch.
So ist Ostern ein gesellschaftspolitisches Manifest Gottes. Österliche Menschen dienen dem Leben. Sie setzen sich ein für gerechte Lebensmöglichkeiten in unserer Gesellschaft und weltweit. Sie erinnern an unsere Verantwortung für Schwächere und Benachteiligte. Sie warnen davor, den Gott des Lebens einzutauschen gegen Geld, Karriere und Macht. Österliche Menschen bewahren einen kritischen Blick auf die sogenannten Sachzwänge der Wirtschaft und der Politik. Dieses Mühen gleicht oft dem Kampf gegen Windmühlen und scheint aussichtslos. Österliche Menschen haben aber eine Perspektive durch das Scheitern hindurch und messen sich nicht am Kriterium des Erfolges.
Zum Weiterdenken
Bin ich eine Dienerin, ein Diener des Lebens? Hat Auferstehung für mich eine Bedeutung?
Rupert Granegger, Arbeiterpriester in der voestalpine Linz, beschäftigt als Wartungsarbeiter in der Klimatechnik,und Betriebsseelsorger im Treffpunkt Mensch & Arbeit.