Etwa 11.500 Kinder bereiten sich zurzeit in Oberösterreich auf ihre Erstkommunion vor. Das ist ein Anspruch an die Familien der Kinder – denn bei vielen scheint der Faden des Glaubens gerissen. Die KirchenZeitung lädt ein zum Erfahrungsaustausch.
Zwischen Weißem Sonntag und Christi Himmelfahrt ist Erstkommunionzeit in den Pfarren. Es ist die größte derzeit laufende Familienaktion im Land, mit tausenden ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen. Mit der Erstkommunion treten Kinder in eine neue Stufe. Sie übernehmen jetzt eine aktive Rolle in der Kirche, sie können selbst Auskunft über ihren Glauben geben. Sie haben eine Ahnung bekommen, dass der Mensch sein Leben und Glück dem Schöpfer verdankt – und dass sich im Blick auf Jesus Christus Sinn und Halt finden lassen. So geht es bei der Erstkommunion nicht nur um eine Einführung der Kinder, sondern um ein Neu- oder Wiederentdecken der Glaubenshoffnung für alle Beteiligten. Wer glaubt, lebt anders. Er wird Mut zur Veränderung ebenso finden wie die Gelassenheit, nicht alles selbst leisten oder erreichen zu können.
Lisa kommt zur Erstkommunion
Die Zeit zwischen Weißem Sonntag und Christi Himmelfahrt ist „Erstkommunionzeit” in den Pfarren. Doch nicht nur für die Kinder, auch für die Familien kann die Erstkommunion zu einem „geistlichen” Erlebnis werden. Die KirchenZeitung begleitet heuer intensiv durch die Erstkommunionzeit.
Im Hause Rumetshofer, Bad Zell, gibt es zurzeit ein Thema: die Erstkommunion von Lisa. Zwei Vorbereitungsstunden hat sie schon hinter sich – und zwar bei ihrer Mama Christa. Wie bei den älteren vier Söhnen hat sie sich auch heuer bei der Jüngsten als „Tischmutter“ zur Verfügung gestellt. Heuer macht ihr die Aufgabe besonders viel Freude. „Die neue Arbeitsunterlage der Diözese ist wirklich toll“, meint sie. Familienvater Ludwig ist Religionslehrer. Schon zum 15. Mal koordiniert er die Erstkommunion-Vorbereitung in Bad Zell. Das bedeutet vor allem eine intensive Begleitung der Tischmütter – auch einen Tischvater hatte er einmal dabei. Ludwig Rumetshofer schaut dennoch, dass auch die Väter in die Erstkommunionvorbereitung gut eingebunden werden. Er tut es auf einem Gebiet, in dem diese sich sicher fühlen. Beim Handwerk. So haben die Väter einmal über 40 Brunnen aus Holz als Symbol angefertigt. Das geschah an einem gemeinsamen Abend, der spät in der Nacht mit einer Jause endete. In einem anderen Jahr haben Väter eine über drei Meter lange Holzbrücke gebaut, über die bei der Erstkommunion die Festgemeinde schreiten konnte. „Von Mensch zu Mensch eine Brücke bauen“, war damals das Thema. Auch eine sieben Meter lange echte Zille war einmal in der Kirche aufgestellt oder ein riesiger Regenbogen, der den Altarraum überspannte. Es geht uns nicht um einen Ideen-Wettbewerb, in dem die Erstkommunion-Jahrgänge einander zu übertreffen versuchen, erzählen Ludwig und Christa. Aber Symbole verankern das Ereignis noch tiefer im Herzen und im Gedächtnis. „Ich war beim Jahrgang mit der Brücke“, oder: „Ich hatte Erstkommunion, als wir das Haus in der Kirche gebaut hatten“, bekommt man noch Jahre später zu hören. Für die Kinder trifft das zu, aber auch für alle, die mit Hand angelegt und dabei über Gott, die Welt, ihre Kinder und sich selbst gesprochen haben. Im Nebenzimmer steht eine Art Erstkommunionkrippe. Lisa erzählt, was man sieht: Jesus sitzt mit den Aposteln im Kreis. In der ersten Stunde haben sie darüber gesprochen, wie Jesus Freunde um sich sammelte – und wie er aus ihnen „Menschenfischer” gemacht hat. Daneben stehen Schalen mit Getreide und Mehl. In der zweiten Stunde haben sie Brot gebacken und vom Abendmahl gesprochen. Das Angreifen, ja sogar das „Spielen“ mit den Puppen und Symbolen macht das Thema für die Kinder anschaulich. Symbol für das heurige Jahr wird der Baum sein. Ein Vater hat sich schon bereit erklärt, das Material zurechtzuschneiden. Die Mütter werden dann mit den Kindern den „Baumbehang” gestalten. Die Themen und auch die Symbole entscheiden die Eltern beim ersten Elternabend. Vor allem die Tischmütter wenden viel Zeit auf: Viermal treffen sie sich zur Vorbereitung der Stunden, die dann an sieben Nachmittagen gestaltet werden. „Schön ist es jedes Jahr gewesen.“ Das ist für Ludwig und Christa Lohn genug.
Bad Zeller Väter legten sich ins Zeug und bauten für ihre Kinder in der Werkstatt von Familie Naderer Holzbrunnen (links). Rechts die von Tischmüttern und Kindern fertiggestellten Brunnen.
Die Erstkommunion hat ihr Leben verändert
„Ich habe den Geruch noch in mir, wie es bei unserer Tischmutter war – es war alles voll Wärme und Heimat.“ Ulrike lebte in Traun. Mit ihrer eigenen Erstkommunion verbindet sie eine schöne und tiefe Erinnerung, wohl auch, weil ihre Tischmutter als Religionslehrerin die einzige war, die die Klasse durch alle vier Jahre begleitet hat.
Inzwischen ist Ulrike Gstöttner in Pasching verheiratet. Julia, die Älteste, ist schon 16, dann sind noch Lukas und Marlene da – und ihr Mann natürlich, Kurt. Er kümmert sich um den Bauernhof mitten in Pasching. Einfamilienhäuser, Gewerbebetriebe und Bauernhäuser stehen in Pasching nahe beieinander – und spiegeln die Vielfalt der modernen Gesellschaft wider. Ulrike Gstöttner hat in der Landwirtschaft mitgearbeitet, doch sie hat auch Ausschau nach einer zusätzlichen Arbeit gehalten. Es begann mit der Taufe der Ältesten, dass Ulrike Kontakt mit Pfarrer Franz Harant fand – und immer mehr in die Pfarre hineinwuchs. Bei allen drei Kindern war sie Tischmutter – und hat bei sich entdeckt: Das ist es, was ich tun möchte. „Warum machst du das nicht zum Beruf und wirst Religionslehrerin?“, fragte sie bei einem Elternabend eine Sitznachbarin. Wie denn? Ich habe nicht einmal eine Matura, hielt Ulrike den Gedanken für abwegig. Aber weil die Familie dazu stand, holte Ulrike Gstöttner alles nach, zunächst im Fernstudium, dann als Regel-Studentin. Wenn die Schwiegereltern nicht da gewesen wären, wäre es wohl nicht gegangen. Jetzt unterrichtet Ulrike Gstöttner das erste Jahr – und zwar in der Pfarre Traun, wo sie selbst ihre Erstkommunion erlebt hat. Da gab es einen Buben in einer ihrer Gruppen, der ziemlich anstrengend war. Ein paar Jahre später war er Firmkandidat. Da kam er zu seiner früheren Tischmutter Ulrike und meinte: Wer uns auf die Erstkommunion vorbereitet hat, muss das auch bei der Firmung tun. Das ist ein Gesetz! – So etwas nennt man Kompliment.