2. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 30. März 2008
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26.03.2008
Jesus selbst eine Frage stellen zu können und von ihm selber Erklärungen bekommen, vielleicht sogar eine Antwort . . . gut zu verstehen ist er, dieser Thomas, und sympathisch, gerade weil er seine Fragen nicht leichtfertig vom Tisch wischt und nicht sofort alles glaubt. Ein Suchender, der in der Begegnung mit Jesus seine Antwort findet.
Evangelium
Joh 20, 19–31
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Strecke deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Strecke deine Hand aus und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
1. Lesung
Apg 2, 42–47
Sie (die Gläubigen) hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen, denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.
2. Lesung
1 Petr 1, 3–9
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.
Anfang
ist nicht da, wo es beginnt, sondern wo wir stehen, zu beginnen bereit.
Elazar Benyoetz
Wort zum Sonntag
Kollege Thomas
Der geläufige Ausdruck „Kollege“ hat für mich in den letzten Jahren – seit ich den beruflichen Alltag hautnah erlebe – an Bedeutung gewonnen. Kollegen sind Menschen, die in derselben Firma, im selben Berufsfeld oder in einem Team miteinander arbeiten. Kollegen haben vieles gemeinsam: die Arbeitssituation, die alltäglichen Herausforderungen, die auftauchenden Probleme, kurz gesagt: den Arbeitsalltag. Das schweißt zusammen und vielfach wird aus der Kollegenschaft auch eine Freundschaft. „Kollege“ kommt mir auch in den Sinn, wenn ich an den Apostel Thomas denke. In einem der Osterberichte des Johannesevangeliums wird erzählt, dass Thomas bei der ersten Begegnung mit dem Auferstandenen nicht dabei war. Als ihm die Jünger davon berichten, glaubt er ihnen kein Wort. Im Volksmund hat ihm das den Beinamen „ungläubiger“ Thomas eingebracht. Ich denke, dass das so nicht stimmt. Thomas dürfte ein sehr nüchterner und bodenständiger Mensch gewesen sein. Er weiß um die katastrophale Gefühlslage der ganzen Jüngergruppe nach dem gewaltsamen Tod des Meisters. Er selber spürt die Angst nach diesem tödlichen Durchgriff der Macht. Da kann es schon sein, dass es zu einer Überreaktion kommt, zu einer – wie wir heute sagen würden – Gruppenhysterie. Derselbe Thomas ist es aber auch, der auf die Anrede des Auferstandenen mit dem wunderbaren Bekenntnis antwortet: „Mein Herr und mein Gott!“ Mit Thomas fühle ich mich kollegial verbunden. Er ist mein Glaubenskollege. So wie er, will und kann ich nicht einfach alles glauben. „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5, 21) – so hat es in weiterer Folge auch der Apostel Paulus gehalten. Ein glaubender Mensch darf und soll bodenständig, kritisch und durchaus auch skeptisch sein. Mit Thomas will aber auch ich den Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung trauen inmitten einer großen Kollegenschaft des Glaubens.
Zum Weiterdenken
Gibt es Menschen, mit denen ich über meine Zweifel, über meinen Glauben reden kann? Wer sind meine Kolleginnen und Kollegen im Glauben?
Rupert Granegger, Arbeiterpriester in der voestalpine Linz, beschäftigt als Wartungsarbeiter in der Klimatechnik,und Betriebsseelsorger im Treffpunkt mensch&arbeit.