Junge Frau giesst Blumen in der Wohnung [ (c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A-4062 Thening, Tel. + 43 676 5103678.Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG,URHEBERVERMERK und den AGBs auf bilderbox.com](in an im auf aus als and beim mit
Jede Stunde ist gleich viel wert! Blumen gießen, Nachhilfe geben, einkaufen für jemand anderen, alte Menschen besuchen ... Zeit heißt die Währung, mit der bezahlt wird! Das gibt es zum Teil schon in Oberösterreich, hat aber jetzt mit „TimeSozial“ einen neuen kräftigen Schub bekommen. Zum Start von „TimeSozial“ im Februar sind in Ried im Innkreis etwa 200 Personen gekommen.
„Der Mensch ist eher bereit, Hilfe zu leisten, als Hilfe anzunehmen“, ist die Erfahrung, die jetzt auch die Motoren von „TimeSozial“, Mag. Ferdinand Reindl und Dipl.-Ing. Tobias Plettenbacher, machen. Schon sind 50 Zeitkonten von 87 Mitgliedern eröffnet. Sie haben aus einer Liste von Tätigkeiten ausgesucht, was sie anbieten möchten. Etwa auf Kinder aufpassen, lesen, spielen, basteln. Oder Hunde ausführen, Katze füttern, Blumen gießen. Oder Amtshilfe leisten, wenn es um Formulare, Briefe, Abrechnungen, Amtstermine geht. Oder plaudern, zuhören, spielen, spazieren gehen ... Es gibt mehr Angebote als Nachfrage.
Zeitgutscheine statt Geld. Wer eine Leistung erbringt, wird mit einem Zeitgutschein bezahlt. Diesen kann er für einen anderen Dienst – auch von einem anderen Mitglied – ausgeben oder er spart und, wenn er einiges erspart hat, leistet er sich einen längeren Dienst. Die Idee von Zeitbanken und Tauschkreisen hat in der englischsprachigen Welt schon viele Freunde gewonnen. Auch in Vorarlberg ist man weiter (Talente-Tauschkreis Vorarlberg). In Japan sind drei Millionen Menschen bei einer Zeitbank (Fureia Kippu – „Pflege-Beziehungs-Ticket“). Sie sparen Altersvorsorge an. Brauchen sie im Alter Hilfe, können sie sich viele Stunden leisten. Das japanische Sozialministerium hat die Garantie für das System übernommen.
Möglichst bald auf 100. „TimeSozial“ hat großes Interesse bei lokalen Politikern gefunden. Schwarz, Rot und Grün stehen hinter der Idee, die das oberösterreichisch-bayrischen Regionalentwicklungsprojekt Innbrücke 21 entwickelt und auf Vereinsbasis gestellt hat. Eines der Mitglieder von TimeSozial ist der ehemalige BORG-Direktor Mag. Siegbert Fröhler. „Ich finde, es ist ein phantastisches System, braucht aber in den Gemeinden mehrere, die mittun.“ Er bietet unter anderem Amtshilfe an – „als Lehrer war ich ja auch Beamter“. – Tobias Plettenbacher nennt ein kurzfristiges Ziel: Möglichst bald will man 100 Mitglieder haben.
Keine Inflation. Grüner Daumen sucht Babysitter, Babysitter braucht Englisch-Nachhilfe, Englisch-Nachhilfe-Lehrerin sucht Katzen-Fütterin während der Urlaubszeit, Katzenfütterin sucht jemand, der im Garten gießt ... – So könnte eine Kette von Tausch-Diensten aussehen, die allesamt über das Konto bei der Zeitbank bezahlt werden. Und das Gute ist: Die Stunde ist auch nach langer Zeit noch eine Stunde wert, es gibt keine Abwertung der Währung. Tritt ein Mitglied bei, erhält es, um einen sozial gestaffelten Mitgliedsbeitrag, sechs Stunden Startgeld. Derzeit ist das Zeitbank-System in Oberösterreich auf die Nachbarschaftshilfe beschränkt. Aber man will mehr.
Die Zeitbanker
Mag. Ferdinand Reindl und Dipl.-Ing. Tobias Plettenbacher sind die Zeitbanker von „TimeSozial“, dem organisierten Zeitbank-Netzwerk mit Sitz in Aurolzmünster und Ried/I. Was sie im Rahmen der Innbrücke 21 ausgearbeitet haben, bieten sie allen Interessierten an, kostenlos. Das muss nicht wieder jemand erfinden. Die Zeitbank im Innviertel ist derzeit ausschließlich auf Nachbarschaftshilfe ausgelegt. Mehr ist rechtlich in unserem Bundesland nicht möglich. Den beiden Zeitbankern schwebt aber vor, die Idee noch auf zwei weitere Beine zu stellen: Für die Altersversorgung könnte, wie in Japan, auf Basis Zeitbank eine zusätzliche Alternative geschaffen werden. Menschen leisten jahrelang gegen Zeitgutscheine Dienste, das Zeitguthaben lösen sie im Alter dann ein. Hier ist allerdings das Heimberufe-Gesetz mit der „Heimhilfe“ (400 Stunden Ausbildung) eine Hürde. Eine zusätzliche Erweiterung sollte auch Betriebe einbinden – so soll ein Wirtschaftsnetzwerk entstehen.
Ehrenamt und Zeitbank
Manche haben Angst, solche Tauschkreise und Zeitbank-Systeme stören das Ehrenamt. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Tobias Plettenbacher. Denn durch die Tauschsysteme werden zusätzlich Leute gewonnen, die zunächst nicht daran denken, ihre Dienste auf Basis Ehrenamt zu leisten. Mit der Erfahrung im Tauschsystem steigt aber die Bereitschaft zum Ehrenamt. „Wenn es auf fairer Basis abgewickelt wird, kommt alles in Schwung. Das Bedürfnis zu schenken entsteht. In eingeführten Systemen wird mindestens ein Drittel aller Leistungen verschenkt.“