Die 38. Rauriser Literaturtage haben sich vom 26. bis 30. März dem politischen Thema „Zwischen den Worten – zwischen den Welten“ gestellt. Der Diskurs in Rauris im Pinzgau fand „zwischen den Menschen“ – zwischen Schreibenden und Lesenden – statt.
Es gab die „großen Lesungen“ und die großen Begegnungen im kleineren Rahmen, etwa bei den Störlesungen, bei denen die Autor/innen nach mittelalterlichem Brauch „auf Stör“ gingen und in Rauriser Stuben den Familien und ihren Freunden vorgelesen haben. Die Autor/innen waren auch in der Hauptschule und im Kindergarten zu Gast.
Erinnerungen aus der Kindheit. „Kindheit im Gespräch“ ist ein fester Bestandteil des Konzeptes der Rauriser Literaturtage, diesmal liegt der Schwerpunkt auf Kindheitserfahrung als Erfahrung der Muttersprachen und der sich öffnenden Sprachfenster in einer Kindheit, die von Flucht bzw. Migration geprägt ist. „Es gibt keine Heimat, die nicht zur Fremde werden könnte, und umgekehrt“, so beschreibt Ilija Trojanow, renommierter, mehrfach ausgezeichneter Autor, Weltreisender und Autor des Bestsellers „Der Weltensammler“ Lebenserfahrung, die weit über die persönliche Erfahrung hinausreicht. Als bulgarisches Flüchtlingskind sei er, so teilt Trojanow seine Erinnerungen mit den Zuhörer/innen, „ins Unverständliche geworfen worden“. Bei Galsan Tschinag war dieses Unverständliche nicht nur die Sprache, sondern auch die Annäherung an die Verschriftlichung von Erlebtem bzw. Erzähltem: „Ich bin die Stimme, die Zunge meines Volkes. Die Tuwa (Sibirien) sind schriftlos bis auf den heutigen Tag. Deshalb schreibe ich in deutscher Sprache.“
Lebenswelt und Sprache. „Lebenswelten brauchen zu ihrer Gestaltung die Sprache.“ Mit dieser Aussage bereicherte die 1950 in Südkorea geborene Wissenschaftlerin Hoo Nam Seelmann die literarische Diskussion. Die Wissenschaftlerin hielt in ihrem Beitrag „Alles fließt“ über das Koreanische fest: „Eine andere Grammatik und andere Wortstrukturen lösen in unterschiedlichen Sprachen ganz andere Gefühle und Assoziationen aus.“
Rauriser Literaturpreise. Die Zuhörer/innen in Rauris fanden sich wieder: in den Gesprächen über Kindheit wie in den Beobachtungen des 1967 in Moskau geborenen, seit 1990 in Berlin lebenden Autors Wladimir Kaminer. Kaminer dazu: „Privat bin ich Russe, von Beruf bin ich deutscher Schriftsteller.“ Neben Lesungen gab es auch Preise: Simona Ryser wurde mit dem Rauriser Literaturpreis 2008 für die beste deutschsprachige Prosa-Erstveröffentlichung, ihren Roman „Maries Gespenster“, ausgezeichnet. Margarita Fuchs erhielt den Rauriser Förderungspreis 2008 für ihren Prosatext „Willkommen“.