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Aus der Praxis: Petra und Thomas kennen einander nun schon drei Jahre. Sie leben seit einem Jahr beisammen. Wenn Thomas vom Heiraten spricht, winkt Petra ab. Sie will sich nicht festlegen und meint zudem, dass eine solche Fixierung die Freiheit einengt und ihrer Liebe nicht guttun würde. Thomas jedoch sagt: „Ich möchte wissen, zu wem ich gehöre!“
Die Spannung zwischen Bindung und Freiheit ist eine Grundpolarität des menschlichen Lebens. Es besteht eine weit verbreitete Angst, sich zu binden, weil man fürchtet, dadurch die Freiheit zu verlieren. Der Sinn der Freiheit liegt aber auch darin, sich frei zu binden.
Mehr als Wahlfreiheit. Die Freiheit, Lebensentscheidungen zu treffen, darf nicht verwechselt werden mit der alltäglichen Wahlfreiheit. Ich kann wählen, ins Kino zu gehen oder nicht, dieses Produkt zu kaufen oder ein anderes. Diese Art von Wahl bewirkt nur kurzfristig etwas, z.B. eben diesen Abend im Kino zu verbringen oder nicht. Anders, und das spürt Petra, ist die Entscheidung für eine Lebensform wie die Ehe und für einen bestimmten Menschen. Damit gebe ich dem ganzen Leben eine bestimmte Richtung, ich bin dann Ehefrau bzw. Ehemann. Die Entscheidung für einen Menschen schließt alle anderen aus.
Intimität schafft Bindung. Bindung basiert auf all dem, was durch geistige und körperliche Intimität verbunden gemacht hat und ist zudem ganz wesentlich eine freiwillige Selbstverpflichtung. Thomas realisiert die entstandene Bindung und Zugehörigkeit. Er hat deshalb auch das Bedürfnis nach ausgesprochener und öffentlich deklarierter Verbindlichkeit und Ausschließlichkeit.
Bindungswille ist eine Form der Liebe. Bindung scheint ein Gegensatz zur Liebe zu sein, weil die Aufrechterhaltung einer Beziehung verlangt wird, selbst wenn die emotionale Zuneigung, die zum Eingehen dieser Beziehung geführt hat, vergangen ist. Liebe in einem umfassenden Sinn verstanden, beansprucht alle Kräfte des Menschen, nicht nur die Emotionen. Liebe, die mehr ist als Verliebtheit, prüft durch den Verstand, ob die Gemeinsamkeiten groß genug sind, um die Verschiedenheiten, die auch in der Ehe bestehen bleiben auszugleichen. Es gibt keine totale Einheit; sie ist auch nicht wünschenswert. Neben dem Gefühl und dem Verstand entscheidet der Wille eine dauerhafte Bindung und das ist Ausdruck von Liebe.
Konsequenzen „ausprobieren“. Zur Grundentscheidung für einen Menschen kann von außen nicht geraten werden. Es gibt aber sinnvolle Vorentscheidungen. Wer nicht weiß, ob er einen Partner heiraten soll, könnte einige Zeit versuchen, so zu leben, als sei die Entscheidung schon gefallen. Konkret würde das bedeuten, mit dem Partner alles so besprechen, als wäre er schon der Ehepartner; auf ihn Rücksicht zu nehmen bei allen Plänen und Entschlüssen; sich anderen möglichen Partnern gegenüber so verhalten, als wäre man schon verheiratet. Wer mit den Konsequenzen einer Entscheidung leben kann, der kann auch mit der Entscheidung selber leben.